Wie ist das eigentlich, Chirurg zu sein?

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Im Zeitraum vom 17.01.2022 bis zum 28.01.2022 habe ich ein Schülerpraktikum im Kreiskrankenhaus Grünstadt absolviert.

Ich habe mich für den Fachbereich der Chirurgie entschieden.

Da, bedingt durch Corona, die diesjährigen Praktikumsvorstellungen leider ausfallen mussten, möchte ich Euch mit diesem Artikel einen kleinen Einblick in mein Praktikum geben. Vielleicht habt Ihr damit die Möglichkeit, euch inspirieren zu lassen.

Mein Ziel ist es, nach dem Abitur Humanmedizin zu studieren und im weiteren Verlauf meinen Facharzt für Chirurgie zu erlangen. Speziell in einem Krankenhaus wird das Personal eher mit Grenzsituationen, wie der Versorgung von Schwerstverletzten konfrontiert, als in einer normalen Arztpraxis. Dies war auch der Grund, weshalb ich mich für ein Praktikum im Krankenhaus entschieden habe. Zudem wollte ich mir einen Eindruck über die täglichen körperlichen und mentalen Belastungen im Berufsleben eines Arztes/einer Ärztin machen. Vor allem aber hat mich die Arbeit der Chirurgen interessiert, weshalb für mich von Anfang an die Fachrichtung klar war.

Mein größter Wunsch beziehungsweise meine größte Erwartung war es, bei einer Operation dabei zu sein und zuschauen zu können. Als mich der leitende Oberarzt der Chirurgie an meinem ersten Tag fragte, was mein Ziel sei, erzählte ich ihm genau das. Für mich war es wichtig zu wissen, ob ich mit der Situation einer Operation umgehen kann, um mir im nächsten Schritt mit diesem Praktikum meinen Berufswunsch bestätigen lassen zu können.

Neben den positiven Seiten des Berufes erhoffte ich mir auch die negativen Seiten kennenzulernen.

Arbeitsbeginn war jeden Morgen um 7:00 Uhr. Ich musste mich täglich um 6:45 Uhr am Eingang testen lassen und hatte dann die Befugnis, mich auf die chirurgische Station (Station 8) zu begeben. Die Corona-Maßnahmen waren sehr streng. Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin sowie jeder Besucher/jede Besucherin bekam eine neue FFP2-Maske zugestellt, bevor er oder sie das Krankenhaus betreten durfte. Zu diesem Zeitpunkt waren Besucher/innen erlaubt, jedoch nur mit gültigem Impf- oder Genesenennachweis und einem gültigen Schnelltest. Es durfte pro Tag nur eine Person kommen, um die Patienten/innen zu besuchen. 

Mein Tag begann mit der Visite, diese wird von den Assistenzärzten/innen auf der Station durchgeführt. Bei der Visite haben wir jeden Patienten/jede Patientin auf der Station besucht, um zu schauen, wie es ihm oder ihr geht. In diesem Schritt wurden die Akten vervollständigt, mögliche Entlassungen bestätigt und die Wundheilung der Patienten kontrolliert.

Um 7:45 Uhr war dann die Frühbesprechung. Hier haben sich alle chirurgischen Ärzte, Assistenten und Hospitanten getroffen, um über die anstehenden Operationen und die einzelnen Patientenfälle zu sprechen. Auch der leitende Chefarzt der Chirurgie Dr. med. Frank Ehmann war vor Ort. Es war sehr interessant, denn in diesem Schritt wurde mir viel erklärt und ich habe gelernt in welchem Zusammenhang Operationen stattfinden müssen oder auch nicht. Anhand der Röntgenbilder konnte man die verschiedenen Verletzungen sehr gut erkennen. Nun hatte ich eigentlich eine sehr weitreichende Freiheit, wohin ich gehe und wie ich meinen Tag gestalte. Von Anfang an wurde mir die Möglichkeit gegeben, mit in den OP zu gehen, um mir die chirurgischen Fälle anzuschauen. Ich hatte aber ebenso die Möglichkeit mit den Assistenzärzten/Assistenzärztinnen in der Ambulanz zu arbeiten. Die ersten Tage haben mich die Operationen sehr begeistert. Ich war täglich bis 15:00 Uhr im OP und habe die verschiedensten Sachen gesehen. Falls gerade keinen chirurgischen Operationen anstanden, durfte ich in den anderen OP-Sälen zuschauen. Es gab noch den Bereich der Gynäkologie und den Bereich der Notfälle, wie zum Beispiel den Notkaiserschnitt. 

Um 15:00 Uhr fand dann die Nachmittagsbesprechung statt, zu der sich wieder alle Ärzte der chirurgischen Abteilung trafen, um den Tag Revue passieren zu lassen. Hier wurde dann darüber gesprochen, wie einzelne Operationen abliefen, ob es Komplikationen gab und welche chirurgischen Fälle in der Ambulanz behandelt wurden. Um 15:45 Uhr durfte ich dann gehen.

Als ich an meinem ersten Tag meine erste Operation hinter mir hatte, konnte ich gar nicht genug bekommen. Deshalb habe ich die meiste Zeit im OP verbracht. Dort ist alles sehr streng getaktet, jeder weiß, was er zu tun hat und das Wichtigste überhaupt ist es, Abstand vom Operationstisch zu halten. In der Chirurgie gibt es hauptsächlich Operationen, bei denen Gelenke ersetzt werden. Beispielsweise ein Knie- oder Hüftgelenk. Hierbei wird ein Implantat aus Metall beziehungsweise Kunststoff eingesetzt, um die Funktionsfähigkeit wiederherzustellen. Die meisten Patienten litten unter Arthrose oder Gelenksentzündungen. Darüber hinaus habe ich bei der Gynäkologie auch vieles gesehen, was laparoskopisch durchgeführt wurde. Das war auch sehr interessant, hierbei hat man die Organe auf einem Bildschirm sehen können, fast wie im Kino. Insgesamt habe ich auch zwei Kaiserschnitte sehen dürfen. An zwei Tagen war ich in der Ambulanz und habe dort viele Erfahrungen machen können. Ich habe gelernt, wie man näht oder Blut abnimmt.

Meine absoluten Highlights waren die letzten drei Tage meines Praktikums. Im Laufe der Zeit lernt man sein Umfeld dort besser kennen und die Ärzte waren dort alle superlieb. Ich habe mich mit allen sehr gut verstanden. Auch das Pflegepersonal und das Operationsteam waren sehr nett. Einer der Oberärzte der Chirurgie hat mich dann gefragt, ob ich mit an dem Operationstisch stehen will. Ich habe mich sehr gefreut und durfte mich dann also mit den Oberärzten steril machen, also waschen, und anschließend an den Operationstisch. Dort durfte ich assistieren. Ich habe beispielsweise dem Arzt ein Instrument halten dürfen, um ihm die Arbeit zu erleichtern. Dort ist es wichtig sehr vorsichtig zu sein, wenn man sich bewegt, der ganze Körper ist mit Kitteln abgedeckt und die Hände sind durch zwei Handschuhe geschützt, so dass keine Viren an den Patienten gelangen. Das war nichts für schwache Nerven, es hat mir persönlich aber super viel Spaß gemacht und ich hatte überhaupt keine Probleme. Insgesamt durfte ich bei vier Operationen helfen, bis mein Praktikum dann zu Ende war.

Mir persönlich hat das Praktikum sehr viel Spaß gemacht. Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt und ich konnte mich selbst von diesem Beruf überzeugen. Gerade deshalb finde ich es wichtig, dass solche Praktika stattfinden und dass wir die Möglichkeit bekommen, unseren Horizont zu erweitern. Selbst wenn ein Praktikum mal nicht gut läuft, kann man Erfahrungen sammeln und ist dann schlauer, was die zukünftige Berufswahl angeht.

Der Alltag eines Arztes ist sehr stressig, das habe ich im Laufe der zwei Wochen gelernt. Ich habe viele Erfahrungen sammeln können und mich mit vielen Ärzten auch austauschen können über deren Medizinstudium und deren Erfahrungen.

Alles in allem kann ich jedem, der sich für Medizin interessiert oder auch mal Arzt werden will, ein Praktikum im medizinischen Bereich nur ans Herz legen.

Pia Kessler (MSS12)

2 Kommentare zu "Wie ist das eigentlich, Chirurg zu sein?"

  1. Sehr Interessant
    🙂

  2. Liebe Pia,
    danke für Deinen guten Bericht. Du hast einen wertvollen Beitrag geleistet. Deine Wertschätzung für das Personal ist vorbildlich.

    In Dir schlummert ein Talent für den Beruf einer Ärztin. Ich nehme Dich als Talent der Gesellschaft ins europäische Innovationshaus in Essen auf. Gerne unterstützen wir Dich online in Deiner beruflichen Karriere.

    Nehme zu mir Kontakt auf. Google meinen Namen oder kit-initiative

    Herzliche Grüße
    Hans-Georg Torkel

    Leiter Institut Bildung, Innovation, Digitalisierung
    Schulleiter am Berufskolleg a.D.

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