Weltraumschrott statt Weihnachtsstern

ISS (Quelle: https://pixabay.com/de/satellit-iss-1030779/)

Heiligabend 2011. Viele Menschen gehen vor dem Festessen in die Kirche. Bei der Heimkehr deuten sie aufgeregt in den Himmel. Zu sehen ist ein heller Lichtschweif, der den Nachthimmel entlang rast. Einige betiteln das Phänomen als „Weihnachtsstern“ oder vermuten, es sei eine Sternschnuppe. In Wirklichkeit ist es eine Oberstufe der Sojus-Rakete, die drei Raumfahrer zur ISS gebracht hat, also Weltraumschrott.

Forscher schätzen, dass etwa 150 Millionen Teilchen Weltraumschrott um die Erde kreisen. Das können beispielsweise Reste von zerstörten Raketen oder Satelliten sein. Wie lange die Teile im Weltraum bleiben, hängt von der Umlaufbahn ab, auf der sie sich bewegen. Befindet sich das Teil zum Beispiel 800 Kilometer über der Erde, dann kann es 150 Jahre und mehr im Weltraum bleiben. Befindet es sich jedoch auf einer 400 Kilometer von der Erde entfernten Bahn, dann dauert es ungefähr ein Jahr, bis es in der Erdatmosphäre verglüht. Das Gefährliche ist, dass selbst kleinste Partikel in der Größe eines Farbsplitters durch ihre hohe Geschwindigkeit großen Schaden anrichten können. Daher sind nicht nur intakte Satelliten in Gefahr, sondern selbst die Internationale Raumstation ISS, die auf einer 400 Kilometer von der Erde entfernten Umlaufbahn kreist, musste bereits Ausweichmanöver fahren. Wenn die Gefahr droht, dass die ISS von einem derartigen Geschoss getroffen wird, dann werden die Astronauten in die Sojus-Kapsel, also so etwas wie das Rettungsboot der Raumstation gerufen. Und dazu gibt es auch einen guten Grund: In Fenstern und der Außenhaut der Raumstation sind schon Einschlagspuren zu sehen. Würde ein Satellit getroffen werden, dann hätte dies auch einen großen Einfluss auf die Menschheit auf der Erde, da Satelliten nicht nur wichtiges Material für verlässliche Wettervorhersagen liefern, sondern auch dafür zuständig sind, dass unsere Navigationsgeräte mithilfe des GPS-Systems funktionieren. Wenn nicht gerade ein Teil Weltraumschrott in der Erdatmosphäre verglüht und fälschlicherweise als Sternschnuppe betitelt wird, ist der Weltraumschrott von der Erde aus selbstverständlich nicht zu sehen.

Was jedoch auch ein großes Risiko darstellt, ist die Tatsache, dass jede Kollision von Weltraumschrott eine Kettenreaktion auslösen könnte. So würde Schrott mit immer mehr Schrott kollidieren und somit letztendlich eine riesengroße erdnahe Wolke aus Milliarden kleinster Partikel bilden, was den Start weiterer Raketen unmöglich machen würde und auch die ISS nicht mehr um die Erde kreisen könnte. Auch unser Satellitensystem könnte durch den Weltraumschrott zerstört werden und jeder Satellit würde nach der Zerstörung ebenfalls Weltraumschrott darstellen und später womöglich andere noch intakte Gerätschaften im All zerstören.

Laut der Meinung einiger Wissenschaftler muss also, wenn wir in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch intakte Satelliten haben und weiterhin Nachforschungen außerhalb der Erde betreiben wollen, der Schrott im Weltraum aufgeräumt werden. Dazu haben Prof. Guglielmo Aglietti und sein Team einen Satelliten namens „Remove Debris“ entworfen. Zwar hat das Konstrukt auf der Erde schon funktioniert, doch da im Weltraum ganz andere Bedingungen herrschen, ist diese Information nicht sonderlich aussagekräftig. Für das erste Experiment im All hat der Satellit einen kleineren Kasten im All ausgesetzt und ihn mithilfe eines Netzes, das er ausgeworfen hat, erfolgreich wieder eingefangen. In den nächsten Monaten sollen mit dem Satelliten noch andere Techniken ausprobiert werden, wie etwa das Einfangen von Weltraumschrott mit einer Harpune. Damit der Satellit nach seiner Mission nicht selbst als Weltraumschrott endet, wird er nach den Aufräumaktionen ein großes Segel ausklappen, das ihn aus seiner Umlaufbahn tiefer in die Erdatmosphäre reißen soll. Dort ist der Luftwiderstand so groß, dass der Satellit samt Schrott verglühen würde. Doch Aglietti kritisiert, dass es ähnlich sei wie mit dem Müll in den Ozeanen: Alle seien sich einig, dass man den Müll da rausholen sollte, doch es bliebe die Frage, wer das bezahlt. Um die Aufräumaktion im All erfolgreich nennen zu können, müsse man an alte Satelliten ran, die mehrere Tonnen schwer sind. Das ist selbstverständlich teuer, also müsse man die Geldgeber erst einmal überzeugen.

Meiner Meinung nach besteht in dieser Hinsicht großer Handlungsbedarf. Denn wenn sich zu viel Weltraumschrott angesammelt hat, dann sind auch Aufräummanöver nicht mehr möglich, da die Objekte, die diese Aufgabe übernehmen sollten, sofort von Schrottteilchen getroffen und zerstört werden würden. In einer solchen Situation würde nichts mehr helfen, als zu warten. Und das kann, je nach Höhe der Umlaufbahn, auf der sich der Schrott befindet, über 150 Jahre dauern. Eine Verbesserung dieser Problematik wäre, dass zusätzlich zu Aufräumsatelliten auch die Technologie intakter Objekte, die sich im Weltraum befinden, verbessert wird. Zum Beispiel könnten Satelliten, nachdem sie nicht mehr benötigt werden, ähnlich wie „Remove Debris“, ein Segel ausspannen und dadurch in der Erdatmosphäre verglühen. Aufräumarbeiten würden somit gespart werden. Der Weltraum ist schließlich nicht der richtige Ort für eine Müllhalde. Man lässt ja auch nicht seine Plastikverpackungen auf dem Tisch oder dem Boden liegen. Es ist verständlich, dass das Sprichwort „Aus den Augen, aus dem Sinn“ bezogen auf Weltraumschrott nicht überzeugen kann.

Dominik Neu (9D)

 

Quellen:

https://www.focus.de/wissen/weltraum/raumfahrt/raetselhafter-lichtschweif-weltraumschrott-zu-weihnachten_aid_697411.html

https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/Weltraumschrott-100.html

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