Von Pseudo-Latein, Nagern und Karikaturen – und was das alles mit der Rheinpfalz zu tun hat

Wie in jedem Jahr haben auch dieses Mal im Januar die Schüler der MSS 12 ein zweiwöchiges Praktikum absolviert. So auch wir, zwei Redakteurinnen des Eulis, die die zehn Tage genutzt haben, um bei der Rheinpfalz in Grünstadt einen Blick hinter die Kulissen einer Tageszeitung zu werfen. 

Und der Blick hat sich eindeutig gelohnt. Die Sorge, typische Praktikanten-Aufgaben, wie Kaffee holen, kopieren oder Akten sortieren, erledigen zu müssen, stellte sich bereits am ersten Tag als unnötig heraus. So durften wir bei Interviews anwesend sein, Umfragen durchführen, eigene Artikel schreiben und das Layout-Programm NGen der Rheinpfalz erkunden. Leider haben hier die zwei Wochen nicht ausgereicht, um in dem Programm alle Texte, Bilder und Formate wiederzufinden – dazu gehört wohl etwas mehr Übung.

Dafür konnten wir aber dank des Programms einen kleinen „fun fact“ finden, der uns sonst entgangen wäre. Bevor ein Artikel geschrieben wird, steht sein eigentlicher Platz auf der Zeitungsseite nämlich bereits fest. Anstelle des tatsächlichen Textes findet sich dann folgender Wortlaut: „Lorem ipsum dolor sit amet,…“ Als bekennende Nicht-Lateiner nahmen wir zunächst an, dass es sich dabei um einen lateinischen Spruch handelt, der als Lückenfüller fungiert. Nach dem Hinzuziehen eines bekannten Online-Übersetzers erhielten wir die hilfreiche Lösung „Möhren Lorem ipsum“. Erst danach fanden wir dank einer ebenso bekannten Online-Suchmaschine heraus, dass es sich um einen fiktiven Text aus Fantasieworten handelt, der speziell als Platzhalter erfunden wurde.

Ansonsten verliefen gerade die zwei Umfragen, die wir in Grünstadt und Eisenberg durchführten, unerwartet erfolgreich. Mit zunächst etwas mulmigem Gefühl, wie wohl die Passanten und Einkaufenden auf uns reagieren würden, wurden wir schnell positiv überrascht. Viele wollten mit uns reden und ihre Meinung mit uns teilen. Natürlich gab es auch ein paar schwarze Schafe, die aber kaum ins Gewicht fielen. So beispielsweise die Dame unserer kleinen Karikatur, die uns nur bedingt hilfreich war. Immerhin, sie kam uns spontan beim Ausarbeiten unseres Plakats für die Praktikumspräsentation in den Sinn und schaffte es so doch noch in unsere „Zeitung“ (unser Plakat war nämlich wie die Titelseite der Rheinpfalz aufgebaut). Die größte Herausforderung bei den Umfragen blieb das Bildermachen. Daran scheiterte leider auch die ein oder andere Aussage, die wir ohne ein Bild der Person nicht in unseren Artikel mit einbinden konnten.

Dieses Problem ergab sich bei anderen Texten nicht. Die Hauptperson der von uns verfassten Nils-Nager-Berichte war nämlich sehr fotogen. Die Geschichten um den Nager und seine Familie zu spinnen, war eindeutig eines unserer Highlights. 

Weitere Highlights waren unsere Interviews mit dem Schüler Dominik Neu und den beiden Sozialkundelehrern Frau Keller und Herr Hammann, die wir beide in Räumen des Leininger-Gymnasiums geführt haben und durch die wir teilweise seltsame Seitenblicke von den übrigen Lehrern und die Frage: „Was macht ihr denn schon wieder hier?“ ernteten.

Natürlich haben wir auch einiges über das Artikelschreiben und den Beruf des Redakteurs im Allgemeinen herausgefunden: 

Spannende Interviews führen, Umfragen machen und bei wichtigen politischen Ereignissen dabei sein – das gehört alles zum Alltag eines Redakteurs. Doch bis ein Artikel endlich fertig ist und in der Tageszeitung gedruckt werden kann, hat er einen langen Weg vor sich.

Die Unterhaardter Rundschau hat eine Auflage von 8000 Zeitungen pro Tag. Daraus ergibt sich eine große Leserschaft, die täglich neue Artikel erwartet. Aus diesem Grund arbeitet der Redakteur meist bis in den späten Abend hinein. Auch sonntags muss die Redaktion besetzt sein, um am Montag eine Zeitung liefern zu können.

Es beginnt damit, dass der Journalist sich ein Thema, ein Ereignis oder auch eine Person aussuchen muss, über die er schreiben möchte. Zwar kann ein neuer Artikel auch durch Anfragen von externen Personen, wie Anrufer in der Redaktion, entstehen, aber oftmals beginnt das Finden eines Themas bereits in privaten Gesprächen, beim Besuch von Veranstaltungen oder Messen, durch andere Medien oder durch das Treffen von interessanten Personen.

Daneben muss der Redakteur immer aktuell bleiben und sich flexibel auf neue Ereignisse einrichten. Darüber hinaus spielen auch sich wiederholende, an bestimmte Daten oder Jahreszeiten gebundene Ereignisse wie beispielsweise Weihnachtsmärkte eine große Rolle. Allgemein gilt für Journalisten: Augen und Ohren auf auch außerhalb der Arbeitszeit und notfalls Veranstaltungen und Sitzungen abends oder am Wochenende besuchen.

Das Ziel eines Artikels ist, das Interesse aller zu erreichen. Gerade eine Lokalpresse informiert ihre Leser regional und unterscheidet dabei nicht nach Bildung, Beruf oder Alter. Daher sollten Anglizismen, Fremdwörter, Fachsprache und Floskeln, sowie zu lange Sätze vermieden werden. Deshalb werden alle Artikel auch noch einmal redigiert (das heißt, der Text wird final überarbeitet, sodass er veröffentlicht werden kann).

Ergänzend zu dem eigentlichen Text werden vor allem Bilder und Grafiken als Blickfänger genutzt. Es gibt jedoch auch feste Abschnitte, die nicht von den Redakteuren gefüllt werden müssen. Hierbei handelt es sich um Werbe- und Traueranzeigen oder Bekanntmachungen. Doch auch hier muss der Redakteur damit rechnen, dass diese kurzfristig zurückgezogen werden und die so entstandene Lücke bis zum nächsten Tag gefüllt werden muss. Überhaupt ist eine der Hauptaufgaben eines Journalisten das Verschieben, Kürzen oder auch Verlängern von Texten. Daneben muss er mit den anderen Journalisten der Lokalredaktion Absprache halten, um sicherzugehen, dass keine Lücken frei bleiben – denn erst, wenn alle Artikel für den nächsten Tag fertig sind, kann auch die Redaktion nach Hause gehen. 

So auch wir selbst, als wir am zweiten Freitag zum letzten Mal das Gebäude der Rheinpfalz als Praktikanten verließen.

Abschließend wünschen wir jedem künftigen Praktikanten des Leininger-Gymnasiums, zwei ebenso interessante, abwechslungs- und lehrreiche Wochen bei einer Firma verbringen zu können – auch wenn sich dann die Motivation, wieder in die Schule zurückzugehen, in Grenzen hält. 

Sarah E. Kühn und Kira Marie Niederberger (MSS 12) 

Quelle: Kühn/Niederberger

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