Thanksgiving – das Fest mit dem Truthahn

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Vermutlich hat jeder am Freitag, dem 23.11.2018, irgendeine Form des „Black Friday“ erlebt. Es war ja auch schwer, dem komplett zu entgehen. In jeder Werbepause, im Internet, Radio und Fernsehen wurden unglaubliche, mehr oder weniger einmalige Rabatte angepriesen. Doch kaum jemand weiß überhaupt, wem oder was wir dieses „Kaufwunder“ verdanken…

Dahinter versteckt sich wieder einmal eine Tradition aus Amerika, die sich auch in Europa eingebürgert hat. Der „Black Friday“ ist eigentlich der Freitag nach Thanksgiving, also der Tag nach dem 4. Donnerstag im November, der als Start der Weihnachtssaison gilt. Der Begriff selbst taucht erstmals in den USA der 60er Jahre auf und gilt einerseits als Metapher für die „Schwarze Masse“ der Einkaufenden auf den Gehwegen und Einkaufsstraßen, die typischerweise vermehrt nach Thanksgiving zu beobachten sind.

Andererseits könnte auch gemeint sein, dass die Geschäftsleute durch den enormen Umsatz wieder „schwarze“ Zahlen schreiben.

Eine weitere Erklärung findet sich im Börsencrash vom 24. Oktober 1929, der in Deutschland unter dem Begriff des „Schwarzen Freitags“ bekannt ist, in den USA jedoch „Black Thursday“ heißt, da er seinen Ursprung in den USA am Donnerstag hatte und am Folgetag in Europa spürbar war. In diesem Fall wäre es eine Anspielung auf den damaligen Ansturm vieler Menschen auf die Banken, um ihre Ersparnisse noch rechtzeitig zu retten.

In Deutschland selbst taucht der Begriff zum ersten Mal im Jahr 2006 durch das Unternehmen Apple auf, das sich einen erhöhten Umsatz durch die Ausweitung des „Black Friday“ nach Europa versprach. Mehr und mehr Händler und Shops zogen nach und locken nun seit über 10 Jahren die Menschen durch kurzzeitige Schnäppchen und Sonderangebote an.

Über die Gefahren des „Schnäppchenkaufrausches“ wird bereits Tage zuvor in den Medien gewarnt. Denn die Rabatte verlocken gerne dazu, Dinge zu kaufen, die man im Grunde überhaupt nicht braucht bzw. unter normalen Umständen auch nicht bestellen würde.

Kommen wir nun aber noch zu dem ausschlaggebenden Feiertag, der mit dem „Black Friday“ verbunden ist: Thanksgiving. Dieser 4. Donnerstag im November ist in den USA ein gesetzlicher Feiertag, dadurch sind Schulen, Geschäfte und Firmen geschlossen. Das amerikanische und kanadische Pendant des Erntedankfestes unterscheidet sich jedoch stark von seinem europäischen Gegenstück. Während dieser Tag als religiöses Dankesfest an Gott für die Gaben der Ernte dient, an dem es besondere Gottesdienste und Prozessionszüge gibt, ist der Thanksgiving Day ein Tag für Familie und Freunde, die oft weit voneinander entfernt leben und sich an diesem Tag besuchen.

Traditionell proklamiert der amtierende US-Präsident formell diesen Feiertag kurz vorher und nutzt seine Ansprache, um auf aktuelle Ereignisse des vergangenen und des kommenden Jahres aufmerksam zu machen.

Ein weiterer wichtiger Brauch ist das Essen: Das traditionelle Thanksgiving Essen besteht aus gefülltem und gebackenem Truthahn mit opulenten Beilagen wie Süßkartoffeln, saisonalen Gemüsesorten wie Kürbis, Erbsen und Mais, sowie Nachspeisen wie Apfel- und Kürbiskuchen. Im Weißen Haus gibt es darüber hinaus die sogenannte „National Thanksgiving Turkey Presentation“, bei der wie auch in diesem Jahr dem Präsidenten ein lebendiger Truthahn übergeben wird. Seit den 1990er Jahren ist es Usus, dass der Präsident (in diesem Jahr Donald Trump) das Tier „begnadigt“ und es somit nicht geschlachtet wird.

Natürlich gibt es auch familiengebundene Bräuche, die sich stark unterscheiden können: So werden oft vor Essensbeginn Dankgebete aufgesagt – entweder von der Familie zusammen oder von Einzelnen.

In einigen Städten gibt es Thanksgiving-Paraden und für viele ist der Besuch eines American-Football-Spiels ebenfalls Brauch geworden. Geschenke sind hingegen eher unüblich.

Über den geschichtlichen Ursprung dieses Feiertages gibt es unterschiedliche Ansichten: Angeblich soll bereits 1598 das erste Thanksgiving in Texas, genauer gesagt in El Paso, stattgefunden haben.

Das erste belegte Datum ist jedoch das Jahr 1621. Der Legende nach landeten die Pilgerväter in Plymouth Rock, Massachusetts. Die dort lebenden Indianer vom Stamm der Wampanoag nahmen die Pilgerväter auf und feierten zusammen ein dreitägiges Erntedankfest.

Der erste, offiziell vom US-Präsidenten ausgerufene Thanksgiving Day war am 03.Oktober 1789 durch George Washington. Später verschob Präsident Abraham Lincoln den Feiertag auf den letzten Donnerstag im November. Nachdem Franklin D. Roosevelt ihn 1939 auf den vorletzten Donnerstag verschob, kam es zu Unstimmigkeiten und Abweichungen unter den einzelnen Bundesstaaten, als Reaktion legte der Kongress 1941 den Feiertag auf den vierten Donnerstag im November fest, der bis heute Gültigkeit hat. Gleichzeitig wurde er auch zu einem nationalen Feiertag erklärt.

Unabhängig vom Datum ist Thanksgiving das wichtigste Familienfest in den USA, an dem durch die vielen reisenden Familienmitglieder auf Flughäfen und Straßen enorme Menschenaufkommen zu beobachten sind.

Kira Marie Niederberger (MSS 12)