Poetry Slam: 13 Jahre 

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Schule aus, wir gehen nach Haus

Nach Hause?

Wohl eher raus

Nach draußen in die große, weite Welt

Es gibt nichts was uns noch hält.

Morgen fängt ein neues Kapitel an

Und dann?

 

Aus und vorbei.

13 Jahre Schulbank gedrückt,

Millionen Langweilige Stunden mit malen, zeichnen, ins Leere starren überbrückt

Sich von Lehrern ärgern lassen,

Zusehen wie einfach sich die Lehrer ärgern lassen.

Diskutiert, kritisiert, einstudiert,

Deprimiert aufgegeben, geheult, alles hinschmeißen wollen

und sich doch wieder dran gesetzt

Gekämpft für EIN Ziel, sechs Buchstaben, um eine weitere Tür in Richtung Zukunft zu öffnen

ABITUR

13 Jahre um sagen zu können: Ich hab Abi!

 

Und das ist auch das Einzige wonach die Leute fragen werden,

nach der verkackten Mathearbeit in der neunten,

nach der wir zwei Stunden geheult haben, fragt niemand mehr

Auch nicht nach den

Klassenfahrten, Liebespärchen, den skandalösten Skandalen, den Alkoholabstürzen, Fashion Fauxpas, den Lieblingslehrern, den Arschlochlehrern, der Kursarbeitenphase,

den Glücksmomenten und Trauertagen.

 

EMOTIONEN

Hass, Angst, Wut, Neid und der Panik zu versagen

Freundschaft, Liebe, Stolz und Glück

ERLEICHTETRUNG

Es ist vorbei! Endlich vorbei!

 

13 Jahre in der Anstalt,

wo Windfänge wichtiger sind als Heizungen,

drei Leistungskursarbeiten in einer Woche KEINE Zumutung darstellen,

Wände aus Pappe sind, Fenster starr vor Schmutz,

Youtube uns die Welt erklärt,

der Tag der offenen Tür, ein Tag der Heuchelei ist,

Schulgemeinschaft ein Fremdwort ist,

doch jeder weiß,

dass Milch müde Männer munter macht

Eine Alliteration darstellt

 

Doch ich will keine Hasstiraden halten,

heute lasse ich Gnade walten.

 

Ich will über Freundschaft reden,

Dinge, die uns wirklich bewegen.

Dinge, die bleiben?

13 Jahre unter Fischen

There are plenty fish in the sea,

Und jeder von uns hat seinen eigenen, kleinen Schwarm gebildet.

 

Denn jeder von uns hat dasselbe Leid geteilt,

die gleichen Ängste gehabt,

über die gleichen Leute gelacht,

ähnliche Erfahrungen gemacht

 

Mit Freunden,

Freunde, die uns besser kennen, als wir uns selbst,

Freunde, die uns sagen wer wir sind

 

Momente, Stunden, Tage, Jahre miteinander verbracht

Erinnerungen geschaffen.

Jeder hat jetzt bestimmt Momente im Kopf, die er nie vergessen wird:

Unvergesslich für immer gespeichert

Doch wie lange ist „nie“?

Und was ist dieses „für immer“

Drei Jahre, vier Jahre, zehn, oder auch zwanzig?

Wann werden die Menschen, die mit uns

Verliebt, verletzt, verzweifelt, verloren waren,

uns an unseren besten und schlechtesten Tagen kennen, zu Fremden?

Fremde, die die Geheimnisse unserer Jugend kennen.

Der erste Kuss,

das erste Date,

das erste Mal,

der erste Absturz,

die erste Fahrstunde,

die erste Klassenfahrt,

das erste Mal feiern gehen,

Das erste Mal sehen, wie ein Kapitel zu Ende geht.

Es gab viele erste Male die letzten 13 Jahre…

 

Doch an welche werden wir uns erinnern,

welche werden wir vergessen,

werden verschwommen sein wie der Blick durch tränennasse Augen?

Welche Geschichten werden wir noch in fünf, zehn, zwanzig Jahren

Unseren Freunden, die auch vor fünf, zehn, zwanzig Jahren unsere Freunde waren, erzählen?

 

Doch wer weiß, was morgen ist,

wenn heute das Ende UND der Anfang ist.

Ein Kapitel geht zu Ende doch es folgen viele weitere.

Kapitel eins die Schulzeit ist nun vorbei.

 

Wir machen uns vom Acker.

Lasst uns etwas neues anfangen, etwas verrücktes tun,

etwas, dass man Leben nennt.

Warte mal, wenn jetzt das Leben anfängt was haben wir dann die letzten 13 Jahre gemacht?

 

Von einer Klausur zur nächsten gedacht,

für die Wochenenden gelebt,

viele Punkte angestrebt,

gelernt eine Meinung zu haben und diese auch zu sagen.

 

Doch nun ist es vorbei und wozu das Ganze?

Die Schule ist da um uns auf unser Leben vorzubereiten…

 

LEBEN,

ist das Kapitel zwei, wenn Schule Kapitel eins ist?

Nein das glaube ich nicht!

Leben, so heißt das Buch, dass wir schreiben.

Ob es ein Bestseller wird,

lustig, dramatisch oder eher traurig, langweilig oder spannend,

mit oder ohne Happy End, das liegt an uns.

Das erste Kapitel ist geschrieben,

das erste Kapitel haben wir gemeinsam geschrieben.

 

Denn jeder von uns hat dasselbe Leid geteilt,

die gleichen Ängste gehabt,

über die gleichen Leute gelacht,

ähnliche Erfahrungen gemacht.

 

Mit Freunden,

Freunde, die uns besser kennen als wir selbst,

Freunde, die uns sagen wer wir sind.

 

Freunde, die es wert waren, jeden Morgen aufzustehen

und in die Schule zu gehen.

Freunde, die auch wenn sie zu Fremden werden,

unsere Vorbereitung aufs Leben in bunten Farben färbten…

 

Schule aus… WIR GEHEN RAUS!

Raus ins Leben,

Kapitel schreiben.

 

Nele Pfister (Ex-MSS13)