Krieg als Geschäft – Gedanken zur Waffenmesse in Abu Dhabi

Was für Gamer die Gamescom ist, ist für die Waffenindustrie die Waffenmesse IDEX in Abu Dhabi. Auch diesen Februar schmolzen die Herzen der Waffenlobbyisten bei modernisierten Panzern und kleinen, besonders leicht zu bedienenden Pistolen dahin. Was das mit Deutschland zu tun hat?

Tatsächlich ist Deutschland zurzeit der drittgrößte Waffenexporteur der Welt. Der Handel mit Munition oder Gewehren stellt eine wichtige Geldquelle dar. Dabei exportierte Deutschland in den letzten zehn Jahren so viele Waffen, wie Großbritannien und Frankreich zusammen. Und obwohl die Regierung kundgab, die Waffenexporte reduzieren zu wollen, verdoppelte sich der Wert der verkauften Waren von 2014 auf 2015.

Rund 40% der Waren gehen nicht an EU- und NATO-Länder, sondern an Drittstaaten wie Algerien, Mexiko, Saudi-Arabien, Nahost-Afrika. „Trotzdem alles kein Problem“, denken manche, „denn für jeden Waffenexport braucht man schließlich eine Genehmigung.“ Es soll ja niemand behaupten können, dass deutsche Waffen Kriege in anderen Ländern anfachen. Aus diesem Grund wurde es sogar verboten bestimme Gebiete Mexikos, in denen der Drogenkrieg zwischen Polizei und Banden besonders gewaltsam von statten geht, zu beliefern.

Das Resultat: Kleinwaffen werden in anderen Regionen importiert und dann weiter überführt. Eine Endverbleibskontrolle durchzuführen ist schwer und wohl kaum im Interesse der Waffenindustrie. Wie man mit dem Wissen, dass Kindersoldaten weltweit mit „Made in Germany“- Maschinenpistolen kämpfen und verstümmelt oder gar getötet werden, noch ruhig schlafen kann, ist mir ein Rätsel.

Aber bei der Frage, ob es überhaupt moralisch vertretbar sei, Waffen in solche Krisengebiete zu exportieren, hält man sich anscheinend lieber an den früheren Verteidigungsminister Franz Josef Strauß, der einmal sagte, er wisse überhaupt nicht, was Waffen außerhalb von Krisengebieten zu suchen hätten.

Und in Deutschland selbst?

Erst vor kurzem forderte der US-Präsident eine größere Beteiligung der anderen NATO-Länder an Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben. Verständlich, wenn man bedenkt, das die USA momentan einen beträchtlichen Teil der Kosten trägt. Bis 2024 sollen die NATO-Staaten 2% ihres BIP (Bruttoinlandsprodukt) für die Verteidigung ausgeben. Die USA ist dabei der Vorreiter – Dort liegen Pläne für die Modernisierung von Atomwaffen in Höhe von 1000 Milliarden Dollar vor (ziemlich viel Geld, für etwas, dass man eigentlich gar nicht benutzen möchte).

Für Deutschland bedeutet es allerdings fast eine Verdoppelung der jetzigen Ausgaben, knapp 25 Milliarden Euro zusätzlich. Als unrealistisch bezeichnet das auch Außenminister Gabriel.

Wenn man sich die „never ending story“ der deutschen Bundeswehr-Pannen ansieht, ist das umso verständlicher: Unsichere Gefechtshelme, nachtblinde Tornado-Aufklärungsflugzeuge, kritische Kampagnen zur Soldatenanwerbung wie „Die Rekruten“ oder das berühmte Sturmgewehr Typ G36 mit dem „Präzisionsproblem“.

Besserung ist leider nicht in Sicht: Die Verteidigungsministerin Von der Leyen trat ihren Litauen-Besuch diesen Februar zunächst in dem neuen Bundeswehrflugzeug A400M an, doch anscheinend nur mit One-Way-Ticket, denn der Rückflug war aufgrund von Triebwerksschäden unmöglich. Da dieses Flugzeug das einzige funktionsfähige der insgesamt acht Maschinen des Typs A400M war, blieb gleichrangiger Ersatz aus.

Was die Bundeswehr mit der doppelten Geldmenge fabrizieren könnte, möchte ich lieber gar nicht wissen.

„Sicherheit durch Erhöhung der Verteidigungsausgaben“, so begründet man die Aufrüstung. Als Verteidigungsausgaben zählen dabei die Bekämpfung von Hungersnot, Armut und Perspektivlosigkeit in Krisen- und Entwicklungsländern nicht, obwohl das mit die Hauptgründe für Radikalisierung und damit einhergehenden Terror sind.

Was man alternativ mit 25 Milliarden Euro finanzieren könnte, habe ich hier anhand von Durchschnittswerten zusammengestellt:

  • 30,8 Milliarden kg Reis
  • 10 Milliarden Päckchen mit Erdnusspaste gegen Mangelernährung
  • Hefte, Stifte und anderes Unterrichtsmaterial für alle Kinder Afrikas
  • 830 Millionen Schulbänke für je zwei Schüler in Afrika

… und noch vieles mehr, dass unbestreitbar sinnvoller als Waffen ist.

Sarah Kühn (10C)

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