Klimaschutz – Kann ich den Unterschied machen?

Prof. Dr. Frieder Kunz mit Mitgliedern der Umwelt-AG (Quelle: Leininger-Gymnasium)

Am 19.9. fand am Leininger-Gymnasium ein von der Umwelt-AG organisierter Mint-Abend zum Thema „Klimaschutz – kann ich den Unterschied machen?“ mit Prof. Dr. Kunz, TU Bingen, statt. Fazit – die Energiewende beginnt bei mir selbst. Muss es wirklich das neue Smartphone, die neuste Kleidung, das neuste Auto sein, ist das notwendig und, falls ja, geht das nicht umweltfreundlich, energieeffizienter?

Die Verursachung von Treibhausgasen ist auf die Energiewirtschaft, private Haushalte, den Verkehr, Landwirtschaft und Industrie zurückzuführen. Prof. Dr. Kunz warnt trotz dringend benötigter Energiewende vor unüberlegten und nicht langfristig effektiven Entscheidungen in der Politik, da diese nur eine technische Lösung, wie ein vorgezogener Kohleausstieg, wären. Stattdessen glauben die Wissenschaftler an einen sozialen Wandel der Gesellschaft, jeder von uns muss seinen Lebensstil radikal ändern. Die Technologie dafür ist, dank jahrzehntelanger Forschung, einsatzbereit. Die Stromversorgung mit erneuerbaren Energien wie Solarenergie und Windkraft wird immer günstiger und das zeigt sich auch. 47% des bisher erzeugten Stroms im Jahr 2019 wurde aus erneuerbaren Energien hergestellt. Auch das Umweltbundesamt und das Bundeswirtschaftsministerium führen auf den jeweiligen zugehörigen Webseiten Möglichkeiten des Umbaus der Energieversorgung in den Bereichen Strom und Wärme auf, die auf eingehenden Studien basieren. Unsere Politiker kennen diese und dennoch verschweigen sie, laut Prof. Dr. Kunz, die Tatsache, dass es so nicht weiter geht. Das Fraunhofer-Institut zeigt, eine kohlefreie Stromerzeugung ab 2030 wäre ohne Verluste möglich, man müsse nur anfangen. Die Umstellung der Wärmeversorgung hingegen ist weitaus komplexer, teuerer und aufwendiger. Neubauten werden aufgrund strenger Grenzwerte energieeffizient ausgerichtet, beispielsweise über die Nutzung von Photovoltaik, Solarthermie, Wärmepumpen und hocheffizienten Lüftungsanlagen – in der Konsequenz hin bis zum Null-Energie- oder auch Plus-Energie-Haus. Allerdings ist das Bauen neuer Häuser nicht der richtige Weg. Die Politik muss für die energetische Sanierung vorhandener Substanz sorgen, damit eine Umstellung der Wärmeversorgung möglich ist. Unserem Referenten bereitet aber eins viel größere Sorgen, und das ist der Verkehrssektor. Das Fahren oder Fliegen wurde durch Kraftstoffeinsparungen zwar billiger, dafür kann man länger Strecken zurücklegen und das wird genutzt. Es handelt sich um den sogenannten Rebound-Effekt. Dies zeigt sich auch, knapp die Hälfte aller Autofahrten nützen Urlaub, Freizeit und Einkauf. Mit steigendem Lebensstandard ändert sich auch unser Lebensstil, den wir dringend überdenken müssen. Mit den Worten von Herr Prof. Dr. Kunz „Die Wissenschaft hat geliefert, die Technologien sind vorhanden. Jetzt ist die Politik und die Gesellschaft gefordert. Und jeder einzelne muss seine Lebensweise in Frage stellen.“

Doch was genau könnten wir ändern?

Den höchsten Energieverbrauch hat das Wohnen, das heißt Strom, Heizung und Warmwasser. Danach folgt Verkehr und Ernährung und darauf der Konsum, der sich auf Produkte und Dienstleistungen verteilt. Darum rät der Professor zu gemeinsamen Wohnen, Renovieren bzw. Sanieren von vorhandenen Gebäuden statt neue zu bauen, Verschwendung stoppen („Alles was nicht produziert wird, um es wegzuwerfen, entlastet Umwelt und Klima.“), Mobilität überdenken, Konsumwünsche prüfen (Brauche ich das wirklich, ist das notwenig? ), anders konsumieren (langlebige oder gebrauchte Sachen kaufen), teilen und verschenken, reparieren, verzichten und investiveren (z.B. Beteiligung an ökologischen Projekten). Denn Klimaschutz macht nicht nur Freu(n)de, sondern lohnt sich auch, denn auch kleine Investments in größere Energieeffizienzprojekte zahlen sich aus. Jede Tonne CO2 zählt und genau deshalb sollten wir versuchen so viele Vorschläge wie möglich umzusetzen, denn dies ist der einzige Weg.

Nach dem Vortrag fand eine Diskussion statt – zunächst im vollständig besetzten Filmsaal, die sich im Anschluss nach draußen in verschiedene Kleingruppen verlagerte. Dabei bot sich auch nochmal die Möglichkeit dem Referenten Prof. Dr. Kunz Fragen zu stellen oder eigene Ideen für den Klimaschutz an unserer Schule an einer Pinnwand fest zu halten.

Victoria Homburg (MSS11)

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