J.F. Englert: „Kaltschnäuzig – Ein Fall für den Schnüffler“

Quelle: Niederberger

„Es geschieht nicht alle Tage, dass ein junger Mann, der nur mit Boxershorts mit roten Herzen darauf bekleidet ist, in einem winzigen Zimmer im zweiten Stock einer der letzten noch übrig gebliebenen Pension New Yorks das Zeitliche unter einem geöffneten Fallschirm segnet.“

„Kaltschnäuzig“ ist der zweite Teil von J.F. Englerts Hundekrimi-Reihe „Bull Moose Dog Run Mystery Series“, in der deutschen Erstausgabe im Jahr 2010 vom Wilhelm Goldmann Verlag veröffentlicht. In dem Hundekrimi gibt es für den vierbeinigen Protagonisten Labrador Randolph und sein Herrchen Harry, ein Künstler Mitte zwanzig, statt einem entspannten Tag zwischen China-Rippchen und einer Dokumentation über Van-Gogh, einen Anruf von Detective Davis: Neben der Leiche eines ausländischen Diplomaten der Vereinten Nationen finden sich Hinweise auf Harrys verschwundene Verlobte Imogen, die Randolph einst aus einem Zoogeschäft gerettet hatte. Schnell wird deutlich, dass es eine Verbindung zwischen dem Mord, bei dem es nicht bleiben wird, und Imogens gefährlicher Erbschaft gibt. Während Randolphs Frauchen, die gleichzeitig auch die Hauptverdächtige der Polizei ist, unauffindbar bleibt, haben er und Harry keine andere Wahl, als den Fall selbst aufzuklären.

Dabei steht Randolph vor schier unlösbaren Aufgaben: Die Alpha-Bits, Harrys Zerealien, mit denen Randolph ihm geheime Botschaften „aus dem Jenseits“ übermittelt, werden wegen einer angeblichen Weizen-Unverträglichkeit aus der Wohnung verbannt, sodass Randolph keine andere Wahl hat, als sich ein eigenes E-Mail-Konto zu erstellen und so mit seinem Herrchen zu kommunizieren. Dazu kommt noch der ungebetene Besuch von Harrys kleiner Nichte Haddy, die Randolphs Ohren einfach nicht in Ruhe lassen kann, wodurch der Labrador kaum Zeit zum Philosophieren über seine Lieblingsautoren (der Hund von Welt liest nämlich leidenschaftlich gerne) und für ausgiebige Verdauungsschläfchen findet. 

Stattdessen muss er seine gewohnte Umgebung verlassen und als Therapiehund direkt am Ort des Geschehens nach neuen Hinweisen für die Unschuld seines Frauchens und auf den wahren Mörder (der es nicht bei einem Mordopfer belässt) suchen…

Der Autor J.F. Englert wohnt mit seiner Frau P. Englert, seiner Tochter C. Englert und seinem Hund R. Englert selbst in Randolphs Heimatstadt New York, es existiert sogar ein Twitter-Account über die Erlebnisse von Randolph, der aber seit 2016 inaktiv ist. 

Was ist nun das Besondere an diesem Hundekrimi? 

Die Handlung eines Krimis komplett aus der Perspektive eines Hundes zu schildern, kann einen Autor vor große Herausforderungen stellen. Englert schafft es jedoch, die Welt aus Hundeaugen heraus authentisch darzustellen. Ihm gelingt der Balanceakt zwischen hündischem Alltag (der Fokus liegt hier vor allem auf dem unstillbaren Hunger eines Labradors, dem sich niemand in den Weg stellen kann – besonders nicht, wenn es sich um Leberwurst handelt – und seinem ausgeprägten Geruchssinn) und detektivischer Ermittlungsarbeit, ohne aus der Haut des Labradors zu fahren und dabei gleichzeitig das manchmal sehr komische Verhalten der Menschen (gerade im Umgang mit ihren Vierbeinern) mit einer gehörigen Menge Humor aufzuzeigen. 

Ein besonderer Charakterzug von Randolph, seine Vorliebe für Literatur, ist ein weiteres Highlight: Sei es nun durch Zitate seiner Lieblingsautoren wie Dante, Fitzgerald, Poe oder Shakespeare oder durch den Vergleich von Personen mit Romanfiguren wie mit Thomas Manns Tonio Kröger – der Roman von Englert kann auch mit seiner Sprache und den urkomischen Vergleichen punkten. 

Das i-Tüpfelchen sind dabei vor allem die Kapitelüberschriften, die auf originelle Art und Weise das Geschehen zusammenfassen, ohne etwas von der Handlung vorwegzunehmen, und dabei sowohl auf die Menschen- wie auch auf die Hundewelt eingehen. 

Meiner Meinung nach ist dieser Krimi also ein genauso großer Leckerbissen für Hundefreunde und Leseratten wie die Leberwurst für Randolph. Durch die Thematik und den hypotaktischen Sprachstil würde ich es in die Altersstufe ab 16 Jahren einordnen.

Kira Marie Niederberger (MSS 13)

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