Interview mit Sarah E. Kühn: Jugendwettbewerb „Jugend creativ“

Quelle: Sarah E. Kühn

Zu allererst auch von der Redaktion des Eulis  herzlichen Glückwunsch zu deinem 1. Platz auf Landesebene und dem 3. Platz auf Bundesebene bei dem 48. Internationalen Jugendwettbewerb „Jugend creativ“! Könntest du uns zunächst einmal etwas mehr zu diesem Wettbewerb erzählen? Von wem wurde er initiiert und worum handelt es sich dabei genau?

 Der Jugendwettbewerb, der durch die Volksbanken und Raiffeisenbanken finanziert und ins Leben gerufen wurde, bietet eine große Vielfalt an verschiedenen Teilnahmemöglichkeiten: Bilder, Filme und Quizlösungen wurden dieses Mal eingereicht. Ich selbst habe in der Kategorie Bildgestaltung teilgenommen, das Motto war „Erfindungen verändern unser Leben“.

Vom 28. bis 30. Mai hat die Bundesjury dabei 30 Bildgestalter und sechs Filmemacher zu Bundespreisträgern gekürt. Diese haben zunächst einmal die Teilnahme an der Sommerakademie „Imagine“ gewonnen, die vom 29. Juli bis zum 5. August dieses Jahres an der Ostsee in der Internationalen Bildungsstätte Jugendhof Scheersberg stattfindet. Dort wird es verschiedene Workshops, Exkursionen, Präsentationen und Ausstellungen geben. Was reizt dich dabei besonders?

 Natürlich auf der einen Seite das Angebot – in dieser Woche werden wir die Möglichkeit erhalten, unter Anleitung von erfahrenen Künstlern verschiedene Werkstätten auszuprobieren. Bei dem abwechslungsreichen Rahmenprogramm haben wir viel Zeit, unsere eigene Kreativität auszutesten und Neues auszuprobieren. Vor allem jedoch freue ich mich darauf, die anderen Wettbewerbsteilnehmer kennenzulernen, weil wir alle das gleiche Hobby teilen und uns untereinander austauschen können. Diese Möglichkeit ergibt sich im normalen Alltag einfach nicht.

Darüber hinaus hast du als eine der Erstplatzierten der Kategorie Bildgestaltung noch eine Reise nach Paris vom 27. Juni bis zum 01. Juli gewonnen. Was genau hat es damit auf sich?

 In Paris findet die internationale Auszeichnung statt, dabei wurde die französische Hauptstadt ausgewählt, da dort viele berühmte Künstler wie Picasso, Dali und Duchamp gelebten haben, aber auch, weil die Stadt viele  Möglichkeiten für ein kreatives Wochenprogramm bietet. So werden wir zum Eiffelturm gehen, eine Kreuzfahrt auf der Seine bei Nacht machen, daneben natürlich auch einen Street Art Workshop und einen Workshop im Studio „Kunst der Disney Animation“ besuchen, einer Aufnahmesession in den RIFFX Studios an der Seine Musicale beiwohnen, mit dem Fotographen Valerio Vincenzo diskutieren, eine Illuminationsshow ansehen und natürlich auch an der Preisverleihung teilnehmen. Daneben bleibt uns aber auch genügend Zeit, eigenen Interessen nachzugehen.

Das klingt ja wirklich aufregend! Kommen wir aber noch einmal zu dem Wettbewerb direkt zurück. Wie kamst du dazu, daran teilzunehmen?

 Das ergab sich eigentlich eher spontan. Da ich Bildende Kunst als Leistungskurs gewählt habe, wollte ich dort gerne auch außerhalb der Schule einmal testen, wie gut ich im Vergleich zu anderen abschneide. Daher habe ich mir im Internet verschiedene Kunstwettbewerbe angesehen und mich schließlich bei „Jugend creativ“ angemeldet, da mich das Motto faszinierte und ich bereits einige Ideen dazu hatte.

Darauf kommen wir jetzt zu sprechen. Würdest du dein Bild aus deiner Sicht heraus beschreiben und uns erklären, was du damit ausdrücken wolltest?

Das Bild habe ich auf einem Graphic Tablet digital gemalt und dann drucken lassen, weil ich fand, dass dies bereits zum Thema passen würde. Anstatt ein Bild auf die „altmodische“ Art und Weise per Hand zu zeichnen, wollte ich damit die Digitalisierung der Kunst hervorheben – was ja ebenfalls bereits eine veränderte Entwicklung aufzeigt. Auf dem Bild selbst erkennt man eine alte Frau, die auf ein Bild aus ihrer Jugend blickt.

Sie nutzt dabei eine Erfindung, die wie ein elektrischer Handschuh aussieht, durch den sie in das Bild hineingreifen kann und sich dadurch an diesen Moment zurückerinnert. Daraus ergibt sich auch der Titel des Bildes „Griff in die Vergangenheit – Erinnerungen wieder erleben“.

Meine Intention war vor allem zu zeigen, dass Erfindungen nicht nur das Leben verändern, sondern auch emotional auf uns Menschen Auswirkungen haben  – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Das habe ich durch die Träne verdeutlicht, die auf das Foto getropft ist: Auf der einen Seite hat die Frau die Möglichkeit, ihre Vergangenheit wieder aufleben zu lassen, gleichzeitig ist diese Erfahrung aber auch rührend und schmerzhaft zugleich.

Als kleines „Osterei“ und als persönliche Note sieht man auf dem Foto, das die Frau betrachtet, nicht nur zwei Mädchen, sondern auch einen Beagle. Das ist in diesem Fall nicht irgendein Hund, sondern mein eigener: Indem ich Holly mit ins Bild eingearbeitet habe, entwickelte ich selbst eine Bindung dazu.

Wie ich anhand der Jurykritik sehen kann, hat auch sie dein Bild richtig interpretiert:

„Das Bild von Sarah Elisabeth besticht zunächst durch seine besondere Perspektive, die einen auf den ersten Blick denken lässt, es würde sich um die eigenen Hände halten, da auch die Größenverhältnisse naturgemäß abgebildet sind. Das zieht einen sofort in die Situation und man kann sich gut vorstellen, den dargestellten „Erinnerungshandschuh“ selbst zu tragen. Zu sehen sind die Hände einer vermutlich älteren Person, die ein Foto aus Kindertagen zu betrachten scheint und sich durch den „Erinnerungshandschuh“ in die Zeit zurückversetzt fühlt. Die Erfindung an sich ist eine verlockende Vorstellung: ähnlich einer VR-Brille, aber noch einen Schritt weitergedacht, da mit dem Tastsinn gearbeitet wird. Das Bild sticht durch die angewandte Mischtechnik aus gemalten und airbrushartig gesprühten Elementen und die dadurch entstehende wunderbare Leuchtkraft hervor. Diese steht wiederum in Kontrast zum restlichen, etwas unscharf dargestellten Bild, das vermutlich die Sichtweise der älteren Person darstellen soll.“

Das hat dich mit Sicherheit sehr gefreut, nicht nur zu hören, dass sie deine künstlerischen Fähigkeiten würdigen, sondern auch die Nachricht dahinter deutlich geworden ist.

 Auf jeden Fall! Meiner Meinung nach ist dies fast wichtiger. Natürlich habe ich mich gefreut, dass ihnen die besondere Perspektive und die verschiedenen Maltechniken aufgefallen sind, aber die Botschaft hinter dem Bild ist es ja eigentlich, was es ausmacht. Daher war ich froh, dass klar war, was ich mit meinem Bild aufzeigen möchte und inwiefern es mit dem Motto des Wettbewerbs zu tun hat.

Vielen Dank, dass du uns auch dein Bild zur Verfügung gestellt hast, sodass sich jeder selbst noch einmal eine eigene Meinung dazu bilden kann. Dir wünschen wir viel Spaß in Paris und an der Ostsee, viele neue Erfahrungen und Möglichkeiten zum Ausprobieren!

 

Das Interview führte Kira Marie Niederberger (MSS11)