Impressionen vom „Schultheater der Länder“ in Kiel

Quelle: Euli

Sonntag, 06:45 Uhr, ausnahmsweise und ausnahmslos pünktlich trifft die Theater-AG am Hauptbahnhof Mannheim ein. Überraschenderweise ist sogar der ICE pünktlich. Nach äußerst entspannten sechs Stunden, die die meisten von uns zumindest teilweise mit Schlafen (immerhin war Wurstmarkt…) verbrachten, kamen wir mit nur zehn Minuten Verspätung in Kiel an. Obwohl wir Schlimmeres befürchtet hatten, nachdem wir den Ablaufplan für die Einführungsveranstaltung gesehen hatten, war es doch nicht so schlimm, sich in der Öffentlichkeit „zum Deppen zu machen“, wenn noch 400 andere mitmachen.

Auch wenn die Jugendherberge uns erst einmal nicht überzeugen konnte – nach der neurenovierten Luxusjugendherberge beim Landesschultheatertreffen in Trier – waren wir einige Dinge nicht mehr gewohnt (Was? Wir müssen uns mit Fremden ein Bad teilen???). Dafür stellten wir jedoch schnell fest, dass das Essen absolut keine Wünsche offen lässt und der Gedanke an die nächste Mahlzeit auch einen langweiligen Workshop erträglicher machen kann. Hier sind diese Woche 16 Theatergruppen, eine aus jedem Bundesland, mit insgesamt über 400 Schülerinnen und Schülern. Deshalb war es gut, dass der Workshoptag bereits am Montag stattfand. Natürlich lernt man auch während der Theaterstücke, beim Essen oder einfach so neue Leute kennen, immerhin erkennt man sich am weithin sichtbaren SDL-Schlüsselbund und dem exklusiven SDL-Rucksack, aber gemeinsam Theaterübungen zu machen, sorgt dann doch gleich für die eine oder andere neue Bekanntschaft. Wir konnten im Vorfeld aus 20 Workshops wählen, was zu mehr oder weniger erfüllten Erwartungen führte. In meinem Workshop „UN-SICHT-BAR“ beschäftigen wir uns mit dem unsichtbaren Theater nach Augusto Boal. Wir erarbeiteten Haltungen, die uns in der Öffentlichkeit stören oder deren Reaktion wir gerne sehen wollten. Szenen, mit denen wir auch tatsächlich in die Öffentlichkeit gingen. Ohne dass die Menschen wussten, dass wir nur schauspielten, stellten wir mehrere Situationen in der Kieler Innenstadt und in Bussen dar, z.B. laute Musik und lautstarkes Weinen im Bus oder einen Ohnmachtsanfall und eine Mobbingsituation in der Fußgängerzone, und beobachteten, wie die Passanten darauf reagierten, ob sie einschritten oder einfach vorbeigingen. Das war eine sehr intensive Erfahrung, bei der ich viel über andere Menschen, aber auch über mich und über meine Grenzen lernen konnte.

Manch anderer hatte jedoch nicht solch ein Glück mit seinem Workshop. Da das Thema des Festivals „Theater und Politik“ ist, sollten sich alle Workshops auch in irgendeiner Weise mit Politik oder zumindest allgemein mit dem Thema „Meinung“ auseinandersetzen, was die entsprechenden Workshopleiter auch mehr oder weniger getan haben. Im Falle des „weniger“ beklagten sich einige Teilnehmer, fast den ganzen Tag nur Aufwärmübungen gemacht zu haben.

Nachdem wir am Sonntagabend das erste Stück gesehen hatten und in den Workshops bereits neue Bekanntschaften geschlossen hatten, ging es am Dienstag mit den Theaterstücken weiter. Leider können wir nicht alle Stücke sehen, da bei drei Aufführungsterminen am Tag zu zwei Zeiten je zwei Stücke parallel gespielt werden. Außerdem ist es schade, dass wir den Stücken, die wir ansehen, zugeteilt werden, sodass wir Stücke verpassen müssen, die wir aufgrund ihrer Beschreibung gerne sehen würden.

Insgesamt ist es hier sehr locker, da zwischen den Stücken und den größtenteils freiwilligen Nachbesprechungen noch genug Freizeit verbleibt, um Kiel zu erkunden, das bisher gute Wetter zu genießen oder das Rahmenprogramm in Anspruch zu nehmen.

Unsere Gastgeber haben sich sehr viel Mühe gegeben, abwechslungsreiche Aktivitäten (wie beispielsweise einen Poetry-Slam-Workshop oder einen Karaoke-Abend) anzubieten. Zusätzlich wurde am Mittwoch eine Dampferfahrt nach Laboe angeboten. Dort konnten wir den Nachmittag am Ostseestrand verbringen. Ein paar von uns haben sich sogar zum Schwimmen in die Ostsee getraut (Respekt, das Wasser war extrem kalt!) oder zumindest die Füße abgekühlt und sie danach wohl oder übel in Sand paniert.

Jetzt ist bereits mehr als die Hälfte unserer Zeit in Kiel vorbei und wir sind auf die weiteren Theaterstücke gespannt und freuen uns auf unsere eigene Aufführung am Freitagmorgen.

Johanna Riedel (MSS13)

 

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