„Ich habe die Mitteilung im Spamordner gefunden“ – Preisträgerin des Schreibwettbewerbs „Durchschrift“ Katharina Krause im Interview

Quelle: Krause

Der Schreibwettbewerb „Durchschrift“, der bereits 2013 ins Leben gerufen wurde, soll der Förderung junger Schreibinteressierter dienen. Jugendliche und junge Erwachsene aus Rheinland-Pfalz, die zwischen 13 und 23 Jahre alt sind, dürfen daran teilnehmen. Das Thema des bis zu zehn Seiten langen Textes darf dabei frei gewählt werden.

Die Elftklässlerin Katharina Krause hat an der achten Runde, die Ende des Jahres 2020 startete, teilgenommen und mit ihrer Kurzgeschichte „Sam“ einen Preis gewonnen. Ihr Text wurde nicht nur zusammen mit denen der anderen Gewinner in einem Taschenbuch veröffentlicht, Katharina hat nun auch die Möglichkeit, ein Jahr lang von dem Autor Jens Schumacher, der Teil der Jury war, bei ihren weiteren Schreibprojekten Unterstützung zu erhalten.

„Ich wusste zuerst gar nicht, dass dieser Wettbewerb überhaupt existiert. Frau Schanz hat mich und eine Freundin darauf angesprochen. Ich habe mich dann dazu entschieden, daran teilzunehmen.“

Katharinas etwa zehnseitige Kurgeschichte handelt von einem Mädchen, das im Wachkoma liegt und eine telepathische Verbindung mit ihrem ebenfalls im Wachkoma liegenden Zimmernachbarn aufnimmt. Die beiden können auf diese Weise kommunizieren und Dinge gemeinsam erleben. 

Mit ihrer Kurzgeschichte möchte Katharina zeigen, dass sich eine Freundschaft auch dann entwickeln kann, wenn man sich im echten Leben nicht kennt.

„ ,Sam‘ ist die erste Kurzgeschichte, die ich jemals fertiggeschrieben habe. Die grobe Idee hatte ich schon, bevor ich von dem Wettbewerb erfahren habe. Ich habe dann einfach drauflosgeschrieben und nur die grobe Richtung gewusst, in die sich die Geschichte entwickeln sollte, die konkrete Handlung hat sich dann erst beim Schreiben entfaltet. Nachdem ich den Text verschiedenen Korrekturlesern vorgelegt habe, habe ich ihn nochmal ganz schön umgeschmissen.“

Katharina wollte etwas Realistisches mit einem unrealistischen Einschlag schreiben. Wie genau sie auf die Idee ihres Textes gekommen sei, wisse sie jetzt allerdings nicht mehr.

„Ich wollte durch die spezielle Situation, in der sich die beiden Hauptpersonen befinden, eigentlich selbstverständliche Sachen wie Laufen, Sehen und Sprechen zu etwas ganz Besonderem machen. Zum Beispiel ist es für das Mädchen in der Geschichte ein wahres Wunder, als sie zum ersten Mal in Sams Kopf wieder ,sehen‘ kann, da sie sich im Koma ja nicht rühren kann und sich hilflos vorkommt.“

Die Rückmeldung mit der Mitteilung, dass sie einen Preis gewonnen hat, habe Katharina im Januar oder Februar 2021 per E-Mail erreicht. Da sie jedoch im Spamordner gelandet sei, habe sie sie zunächst gar nicht gesehen. Erst nach zwei Wochen, als sie während einer Videokonferenz ihre E-Mails durchgeguckt habe, habe sie die E-Mail entdeckt und direkt geantwortet.

Es ist ein merkwürdiges Gefühl zu wissen, dass jetzt jeder, der möchte, meine Kurzgeschichte lesen kann. Ich finde es aber auch cool und freue mich darüber. Ich kann noch gar nicht einschätzen, wo überall man diesen Büchern begegnen könnte.“

Die Preisverleihung, auf der man das Buch mit den Werken der Preisträger überreicht bekäme, war von Sommer 2021 auf Anfang Dezember verschoben worden. Jetzt wurde das Buch doch per Post zugesendet.

„Ich habe alle Texte der anderen Preisträger gelesen und finde, dass da sehr gute Sachen dabei sind“, bewertet Katharina die Werke der anderen Preisträgerinnen und Preisträger.

Katharina gehört zu den vier Schreibtalenten, die aufgrund ihrer besonders gelungenen Texte ein Jahr lang von einem der Juroren unterstützt werden. Jens Schumacher arbeitet nun seit fast einem Jahr mit ihr zusammen. Die beiden kommunizieren über E-Mail und Videokonferenzen miteinander. Neue Texte von Katharina besprechen die beiden über die Kommentarfunktion von „Microsoft Word“.

In der Zwischenzeit hat Katharina ein weiteres Schreibprojekt abgeschlossen: „Ich habe mich für die neunte Runde des Wettbewerbes angemeldet und meinen Text bereits eingereicht. Ich gucke, wohin ich mit dem Schreiben gehen will und welche Art von Geschichten ich in Zukunft schreiben möchte.“

Hauptberuflich könne sich Katharina keine schriftstellerische Karriere vorstellen. Es sei zu unsicher, wie erfolgreich man dabei ist. Nebenberuflich könne sie sich dies jedoch vielleicht vorstellen, wenn sie einen Verlag finde, da es ihr als Hobby sehr viel Spaß mache.

Das Interview führte Dominik Neu (MSS12)

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