Gelten die Menschenrechte für alle?

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.“

So lautet der erste Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Einer Studie zufolge können deutsche Bürger gerade mal drei Menschenrechtsartikel nennen. Aber warum ist das so?

Am 10. Dezember 1948 unterzeichneten die Mitglieder der Generalversammlung der Vereinten Nationen die wohl wichtigsten Grundrechte unserer Menschheit. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – nach Jahrtausenden von Unterdrückung, Diskriminierung und furchtbaren Kriegen wurde in 30 Artikeln das festgeschrieben, was eigentlich schon längst als natürliches Gesetz behandelt werden sollte. Endlich hatte es die Menschheit geschafft!

Doch warum können trotz dem Recht auf Bildung 800 Millionen Erwachsene weltweit nicht lesen und schreiben?

Warum leben trotz dem Verbot der Sklaverei 46 Millionen Menschen als Sklaven?

Und warum stirbt trotz dem Recht auf Wohlfahrt alle sechs Sekunden ein Kind an Unterernährung?

Das Problem der Menschenrechtserklärung ist, dass sie unverbindlich ist. Kein Land hat die Pflicht, sie in ihre Verfassung aufzunehmen. Dabei sind die Menschenrechte die einzigen Rechte, die wir alle, egal ob Deutscher oder Amerikaner, Mann oder Frau, Christ oder Jude, gleichsam besitzen. Sie sind die Grundwerte, auf denen unser aller Miteinander aufgebaut sein sollte. Auch wenn sie nicht von allen Nationen anerkannt werden, sollten wir uns als Menschen dazu verpflichten, für ihre Einhaltung zu kämpfen.

Und dennoch verhalten wir uns regelrecht so, als wäre es nicht unsere Aufgabe, sie zu verteidigen. „Menschen wie Mahatma Gandhi, Martin Luther King und Nelson Mandela, das sind sind echte Revolutionäre! Aber Menschen, wie du und ich, wir könnten doch nie etwas verändern“ – So denken anscheinend viele. Stimmt das?

Fast scheint es, als wäre alles Wichtige schon längst geklärt worden, und damit Geschichte – Freiheitskämpfe, Frauen- und Umweltbewegungen, das alles liegt hinter uns. Dabei passieren jeden Tag die schlimmsten Dinge, sogar direkt vor unseren Augen. Umweltverschmutzung, ungleiche Einkommensverteilung und der ständige gesellschaftliche Leistungsdruck belasten uns schließlich alle.

Der Mitunterzeichner der Menschenrechtserklärung Stéphane Hessel ist beispielsweise der Einsatz für den Schutz unserer Umwelt genauso wichtig, wie es die Résistance während des zweiten Weltkrieges war.

Es müsste für uns alle beschämend sein, was wir unserer Natur antun und noch viel beschämender, dass wir viel zu wenig dagegen unternehmen.

Weiterhin sagt Stéphane Hessel: „Es genügt nicht, sich aufzuregen, wie ungerecht die Welt ist. Ungerechtigkeit ist sehr konkret. Sie lauert an meiner Tür, hier und jetzt.“

Ich bin der Überzeugung, dass wir uns allen sehr wohl der Probleme unserer Gesellschaft bewusst sind. Nur reicht es nun mal nicht, auf Facebook einen kritischen Beitrag zu liken. Jeder Mensch muss sich selbst die Zeit nehmen, seine persönlichen Werte festzulegen und sich diese bei jeder Handlung bewusst machen. Denn jede Handlung, so klein sie auch scheinen mag, kann etwas bewirken.

Es gibt genug, für das wir alle noch heute auf die Straße gehen sollten; und es ist nicht nur die Aufgabe von Prominenten oder Politikern, sich für Rechte und Werte einzusetzen, sondern die Aufgabe von jedem einzelnem von uns, als Mensch.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte:

https://www.amnesty.de/alle-30-artikel-der-allgemeinen-erklaerung-der-menschenrechte

Sarah Kühn (10C)

1 Kommentar zu "Gelten die Menschenrechte für alle?"

  1. Super Artikel! Ich würde gerne mehr zum Thema lesen!

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