Fehlerhaftes Schulsystem?

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An den meisten deutschen Gymnasien werden verschiedene Fächer unterrichtet, die sich weniger auf haushaltstechnische Dinge, sondern eher auf den theoretischen Bereich in Sprachen und Naturwissenschaften beschränken. Darauf beziehend haben viele Menschen, nicht zuletzt auch in den sozialen Medien, kritisch Stellung genommen und damit das Schulsystem an Gymnasien angezweifelt. Die Argumentation bestand darin, dass diejenigen, die bereits ihr Abitur erfolgreich absolviert haben, zwar Gedichtinterpretationen in drei unterschiedlichen Sprachen schreiben können, jedoch nicht gelernt haben, wie man beispielsweise eine Steuererklärung anfertigt. Allgemein würde also im Schulunterricht an Gymnasien die Praxisnähe fehlen. Man müsste ebenfalls Fächer haben, in denen einem erklärt wird, wie man alltägliche Dinge richtig durchführt. Zwar wird den Schüler/-innen mit den verpflichtenden Praktika in den Klassenstufen neun und zwölf eine gewisse Praxisnähe vermittelt, die sich jedoch vor allem auf berufliche Thematiken und nicht auf lebenspraktische Alltagsaufgaben bezieht.

Viele der Schüler werden am Ende der Ferien von ihren Eltern gefragt, ob sie sich denn auf die Schule freuen. „Nein“ und „Ja, aber nur weil ich meine Freunde wiedersehe“ sind wahrscheinlich die häufigsten Antworten. Dabei liegt es doch eigentlich in der Natur des Menschen neue Sachen zu lernen und sich weiterzubilden. Also warum haben viele Schüler keine Motivation dazu?

Größtenteils dürfte dies an unserem Schulsystem mit seinen festen Lehrplänen liegen. Durch die Lehrpläne werden die Schüler gezwungen auch etwas über Themen zu lernen, die überhaupt nicht in ihrem Interessengebiet liegen. Denn wenn sie es nicht tun, wäre die Konsequenz, dass sie eine schlechte Note bekommen.
Und sieht man es ganz genau, lernen die Schüler auch nur das, was sie für die Arbeit lernen müssen und vergessen es kurz darauf wieder. Dies nennt man auch „Lern-Bulimie“.

Themen, die einen interessieren, lernt man nachweislich leichter und man merkt sich auch mehr. Nicht umsonst ist man zum Beispiel im eigenen Hobby oft ein Experte.

Also warum nutzt man dieses Wissen nicht und lässt die Schüler selbst ihren Stundenplan wählen, wie in Amerika zum Beispiel? So werden die Schüler in ihren Interessengebieten gefordert und lernen freiwillig und motivierter.

Schon vor einigen Jahren wurde in Deutschland auch einmal diskutiert, ob die Schulen die einzelnen Schulfächer abschaffen sollten und themenübergreifender Unterricht eingeführt werden sollte. In Finnland wurde dies bereits durchgeführt, was deutsche Experten erst zu dieser Überlegung kommen ließ. Die „Unterrichtseinheiten“ sind dann in Überbegriffe gegliedert wie z.B. „Cafétaria“. Dort lernen die Schüler dann beispielsweise einfache kaufmännische Rechnungen und gleichzeitig Fremdsprachen, um ausländische Kunden bedienen zu können.

Allerdings gibt es auch schon viel radikalere und tiefgreifendere Vorstellungen und Modelle von neuen Schulsystemen. Eine wäre zum Beispiel die der Lern-Netzwerke. Es ist ziemlich kompliziert, aber das wäre eine vereinfachte Erklärung: Hier wird die klassische Rollenverteilung zwischen Lehrenden und Lernenden aufgelöst. Stattdessen findet sich eine Interessengruppe Lernender zu einem Thema zusammen – real oder virtuell – und versucht sich die Materie zu erschließen. Als ich mit meinem Vater diskutierte, wie man sich das wohl vorstellen kann, und ich ihn fragte, ob das in unserer Gesellschaft schon möglich wäre, antwortete er mir mit einem ‚Nein, vermutlich noch nicht‘.

„You never change things by fighting the existing reality. To change something, build a new model that makes the existing model obsolete.“ (Du kannst nie Sachen ändern, indem du die existierende Realität bekämpfst. Um etwas zu verändern, musst du ein neues Modell bauen, das das Existierende ersetzt.) – R. Buckminister Fuller

Man muss nicht gleich so viel verändern wie in der letzten Möglichkeit, was auch wohl noch gar nicht unmittelbar ginge, allerdings sollte das Schulsystem sich schon langsam in Richtung Bildung 4.0 richten. Schließlich heißt Digitalisierung mehr als nur alle Klassenräume mit einem Smartboard auszustatten.

 

Amelie Müller und Dominik Neu (8D)

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