Euterpe-Preisträgerin Johanna Riedel im Interview: Landeswettbewerb Alte Sprachen

Johanna Riedel (erste Reihe, dritte von links) mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei der Preisverleihung in Speyer (Quelle: Euli)

Latein und Altgriechisch – das sind die Sprachen der Antike. Beim Landeswettbewerb Alte Sprachen “Certamen Rheno-Palatinum” (CRP) werden Schülerinnen und Schüler ausgezeichnet, die die Grundsprachen unserer Kultur wieder aufleben lassen. Veranstaltet vom Ministerium für Bildung und Landesverband Rheinland-Pfalz des Deutschen Altphilologenverbandes treten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen in drei Runden gegeneinander an. Die erste Runde besteht aus einer vierstündigen Klausur, die sich aus Übersetzung, Analyse und Interpretation zusammensetzt. In der zweiten Runde wird eine Hausarbeit gefordert, die zu bestimmten Themen angefertigt werden muss. Die acht Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die bis dahin noch dabei sind, werden zu einem Kolloquium zur Aufnahme in die Studienstiftung des deutschen Volkes eingeladen. Daraus ergeben sich schließlich zwei oder drei Gewinner, die der Studienstiftung vorgeschlagen werden. Johanna Riedel, MSS 12, ist diesen langen Weg gegangen und hat alle drei Runden absolviert. Sie ist nicht nur Schülerin des Latein-Leistungskurses, sondern auch Mitglied der Altgriechisch-AG unserer Schule. Am Wettbewerb nahm sie schließlich mit Latein teil. Für ihre Hausarbeit in der zweiten Runde erhielt sie bereits den Euterpe-Preis – die Ergebnisse der dritten Runde werden erst im Herbst diesen Jahres bekannt gegeben. Mehr zu ihrem Erfolg erzählt sie uns im folgenden Interview selbst.

Zuerst einmal gratuliert dir die Euli-AG herzlich zu deinem Erfolg! Was war überhaupt deine Motivation, an dem Wettbewerb teilzunehmen? Hast du denn vor, Latein zu studieren?

Ein paar Freunde aus höheren Stufen haben mir von dem Wettbewerb erzählt, weil sie wussten, dass ich Latein mag. Daraufhin dachte ich mir, ich nehme einfach mal teil und teste aus, wie weit ich komme. Außerdem hat die Klausur der ersten Runde annähernd Abiturlänge, sodass es auch eine gute Übung dafür war, wie es ist, so lange Klausuren zu schreiben. Und ich hatte ohnehin vor eine Facharbeit in Latein zu schreiben, was ich jetzt auch getan habe, dafür konnte ich mein Hausarbeitsthema der zweiten Runde des Wettbewerbs wiederverwenden. Aber bevor ich bei Herrn Kröger, der meinen Latein-LK unterrichtet, nachfragen musste, ist er schon von sich aus gekommen und hat einfach den ganzen gekoppelten Kurs, also Leistungs- und Grundkurs, dazu angemeldet.

In der Tat habe ich vor, Latein und Informatik zu studieren. Altgriechisch weiß ich noch nicht so genau, das konkurriert noch mit einem anderen Fach. Mal schauen, wie sich das ergibt.

Durch deine Leistungen bei der vierstündigen Klausur hast du dich für die zweite Runde qualifiziert. Für welches Thema hast du dich anschließend bei deiner Hausarbeit entschieden?

Meine Hausarbeit habe ich über das Frauenbild in der Antike im Vergleich zu heute geschrieben. Anhand von drei Grabinschriften und einer Grabrede habe ich Tugenden und Idealvorstellungen von Frauen in der Antike betrachtet und diese dann in Bezug zur heutigen Zeit gesetzt. Hierzu habe ich eine Umfrage gemacht, bei der auch viele Personen aus der Schule mitgemacht haben, denen allen ich sehr dankbar hierfür bin. Außerdem wurde das Schreiben einer eigenen Grabrede auf eine bekannte Frau der heutigen Zeit gefordert. Hierfür habe ich dann Ruth Pfau gewählt, weil mich ihre Geschichte beeindruckt hat und sie vor kurzem gestorben war. Das erschien mir angemessener, als eine Grabrede für eine Frau zu schreiben, die noch lebt.

Das war sicherlich viel Arbeit! Hast du dein gesamtes Wissen zur lateinischen Sprache und Antike im Latein-LK erworben?

Mein grundlegendes Wissen stammt tatsächlich „nur“ aus dem Latein-LK. Was ich Zuhause zusätzlich mache, sind weitere Übersetzungen, auch gerne von Deutsch nach Latein – und ich lese auch teilweise Bücher, die sich mit dem Lateinischen oder der Antike beschäftigen oder von antiken Autoren verfasst wurden. Für die Hausarbeit musste ich mich dann natürlich noch außerhalb des Unterrichts mit der Kultur in der Antike und besonders mit dem Totenkult beschäftigen. Dafür war ich beispielsweise einen Nachmittag auf dem Friedhof, um mir „moderne“ Grabinschriften zum Vergleich anzusehen.

Insbesondere die dritte Runde klingt nervenaufreibend. Wie lief das Kolloquium  zur Aufnahme in die Studienstiftung des deutschen Volkes ab?

Das Kolloquium fand an der Universität in Mainz statt – wobei die Thematik des Kolloquiums offen und nicht mehr nur auf alte Sprachen beschränkt war. Dort mussten wir am Vormittag alle zusammen ein Rundengespräch (leaderless discussion) über die Bedeutung der neuen Medien für die Demokratie führen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen hatte dann jeder zwei Einzelgespräche, die sich auch um alles Mögliche drehen konnten. Im Vorfeld musste jeder einen Fragebogen ausfüllen, sodass einige Gesprächsthemen auch individuell auf die Person zugeschnitten wurden. Aber es gab beispielsweise auch Fragen zu Geschichte und Gesellschaft oder man musste auch spontan auf vorgegebenes Material, wie Texte und Grafiken, eingehen können. Aber das hat sich auch, je nachdem mit wem man ein Gespräch zu führen hatte, unterschieden.

Viele Schüler denken, dass sie Latein nach der Schulzeit nie wieder brauchen werden. Warum denkst du, dass es sich lohnt, diese Sprache zu lernen?

Man hört heutzutage immer wieder, Latein sei eine tote Sprache und es würde sich gar nicht lohnen, Latein zu lernen. Das ist meiner Meinung nach falsch. Selbst wenn man nach der Schule vielleicht nie wieder den Abl.abs. oder AcI (lateinische Sprachkonstruktionen) braucht, hat man mit Latein doch auch Dinge gelernt, die einem ab und zu helfen. Zum einen haben wir Lateiner natürlich einen unschlagbaren Vorteil, wenn es darum geht, Fachbegriffe zu verstehen und zu lernen. Außerdem haben wir einiges an Übung darin, komplizierte Schachtelsätze zu entwirren und schwierige Texte zu verstehen. Das braucht man ja immerhin nicht nur in Latein. Und Grammatiktests in Deutsch sind für uns auch kein Problem, da wir das oft in Latein machen mussten.

Mir hat Latein besonders viel für meine Sprachwahrnehmung gebracht. Der Blick von außen auf das „feinere“ Latein hat mir auch geholfen, die Strukturen im Deutschen zu erfassen und zu verstehen.

Ich bedanke mich herzlich für das Interview und wünsche dir weiterhin viel Erfolg in der letzten Runde!

Das Interview führte Sarah E. Kühn (MSS 11)