Eurowaisen – Warum verlassen rumänische Eltern ihre Kinder?

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Markenkleidung statt elterliche Nähe: In Rumänien lebt fast jedes siebte Kind ohne Eltern. Die Familien haben oftmals keine andere Chance mehr, sehr oft reicht das Geld nicht, dann ist Auswanderung der letzte Ausweg.

In Rumänien herrscht eine große Ungleichheit zwischen den Bevölkerungsgruppen. So leben über 30% der Menschen am Existenzminimum, das heißt, dass sie monatlich circa 50€ zur Verfügung haben. Dies führt zu einer hohen Armutsquote. Daher gehen viele Rumänen vorübergehend in andere europäische Staaten, um dort ihr Geld zu verdienen. Dieses Einkommen schicken sie nach Rumänien an ihre zurückgebliebenen Familienangehörigen.

Die Kinder dieser Arbeitsnomaden leiden natürlich darunter. Viele von ihnen leben bei ihren Großeltern oder Onkeln und Tanten. Da diese aber nicht immer für die Kinder da sein können, leben die sogenannten Eurowaisen oft bei den verschiedensten Familienangehörigen. Manche der Kinder haben keine Verwandten mehr vor Ort und müssen entweder bei Freunden der Familie unterkommen oder sie sind auf sich allein gestellt. Doch auch diese Verwandten gehen teilweise sehr militärisch in der Erziehung vor. Dies hat zur Folge, dass die junge Generation Rumäniens in vielen Fällen nicht gut erzogen wird und auch oft die Schule abgebrochen wird, da die „Ersatzeltern“ bei schlechten Noten Hausarrest erteilen. Außerdem kommt hinzu, dass die Kinder nur sehr selten ihre leiblichen Eltern sehen, da diese weit weg sind, um Geld zu verdienen.

Dies führt dazu, dass eine Generation heranwächst, die es schwierig haben wird, sich in die Gesellschaft zu integrieren und aussichtsreiche Optionen am rumänischen Arbeitsmarkt zu finden. So wird auch diese Generation möglicherweise wieder in andere europäische Staaten gehen, um für Geld zu sorgen.

Aus einer anderen Perspektive betrachtet, ist die Arbeit in anderen EU-Ländern auch eine Chance, Rumänien wirtschaftlich zu entwickeln. Da die sich im EU-Ausland befindenden Eltern einen großen Teil ihres Einkommens nach Rumänien überweisen, haben die Zurückgebliebenen auch die Möglichkeit ihre Häuser zu renovieren. Das Geld aus dem Ausland nutzt ebenso den Kindern: Sie haben die Chance, eine höhere Bildung zu erlangen.

Sowohl Eltern als auch Kinder zahlen damit durch Trennung einen hohen seelischen Preis für finanzielle Verbesserung. Doch solange sich die wirtschaftliche Situation in Rumänien nicht ändert, werden die Zahlen von Auswanderungen und damit auch die Anzahl der Eurowaisen nicht merklich sinken.

Jonas Boll und Maja Dujmić (9A)

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