Es ist ganz anders: Theaterbesuch „Werther!“

Quelle: Euli

Am 30.01.2018 besuchten einige Schülerinnen und Schüler der MSS 11 und 13 die Theateraufführung „Werther!“ im Pfalzbau in Ludwigshafen.

Die Inszenierung von Nicolas Stemann und Philipp Hochmair dauert eine Stunde und zwanzig Minuten und handelt von Goethes „Leiden des jungen Werther“.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Werther, ein junger Mann, der sich in einer neuen Umgebung niederlässt und dort zunächst einmal von der Fülle an neuen Einflüssen und Begegnungen vollkommen begeistert ist. Sein Glück scheint perfekt, als er Lotte, eigentlich Charlotte, trifft und in ihr die Liebe seines Lebens findet. Doch Lotte ist bereits mit einem anderen Mann, Albert, verlobt, was Werther mehr und mehr belastet. Er verfällt in einen regelrechten Liebeswahn, in dem er selbst keinen Ausweg mehr findet. Da er ohne Lotte nicht leben kann, erschießt er sich schließlich.

Die Aufführung wird seit 1997 aufgeführt und ist eine Ein-Mann-Vorstellung, in der die Geschichte des jungen Werthers in die heutige Zeit übertragen wird.

Eine entscheidende Rolle spielt hierbei neben der Leistung des Schauspielers auch die Musik, die oftmals erst für die richtige Atmosphäre und somit auch für das Ausdrücken der Emotionen des Protagonisten sorgt.

Dies führt dazu, dass das Schauspiel sich deutlich von der Textvorlage abgrenzt. So werden einige Passagen des Briefromans weggelassen bzw. in zeitlich geraffter Form dargestellt, während andere ausgeschmückt werden. Dadurch sind die beiden Medien so unterschiedlich, dass man sie kaum vergleichen kann und das Theaterstück eigene Wege fernab des Romans geht.

Meine persönliche Meinung zu dem Stück ist, dass es ganz anders ist. Anders, als man es von der Aufführung dieses  Romans erwarten würde. Anders, als man bei der Textvorlage erwarten würde und anders, als man es sich zu Beginn der Inszenierung vorstellen würde.

Die Aufführung ist in vielerlei Hinsicht etwas Neues: So wird, was für ein Theaterstück wohl eher ungewöhnlich ist, eine Kamera verwendet, mit der sich Philipp Hochmair in seiner Rolle als Werther selbst filmt. Das Bildmaterial wird dabei auf die Leinwand hinter ihm projiziert. Oft „friert“ das Video daraufhin ein und ein einzelnes Bild wird über einen geraumen Zeitraum gezeigt.

Vor allem jedoch spielt das Stück damit, die Erwartungen des Zuschauers zu durchkreuzen und wartet immer wieder mit ungewohnten Auftritten auf. Wer erwartet denn auch, mit Salat beworfen zu werden, wenn er ins Theater geht?

Daran sieht man auch, dass das Publikum mit in die Handlung eingebunden wird und dadurch fast mitspielt. So wurde beispielsweise ein Zuschauer dazu gebracht, Albert zu spielen, der Werther nichtsahnend das Gewehr überlässt.

Dennoch gibt es auch den einen oder anderen Kritikpunkt: Oftmals übertreibt es das Stück mit dem Humor, die Handlung wirkt nicht nur überspitzt, sondern unglaubwürdig. Manche Gags werden so oft wiederholt, dass man sich als Zuschauer nur wünscht, dass das Theaterstück bald weiter geht. An anderen Stellen wird die Textvorlage so gekürzt, dass ganze Szenen und Ereignisse einfach wegfallen.

Daher darf man in diese Aufführung nicht mit konkreten Erwartungen und einer vorgefertigten Meinung hineingehen, da jene mit Sicherheit nicht erfüllt werden.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Inszenierung von Werther von Stemann und Hochmair stark vom Geschmack des Zuschauers abhängt, ob dieser solche – oftmals neuartigen und teilweise verqueren – Darstellungen mag oder nicht. In jedem Fall kann man jedoch sagen, dass für Schülerinnen und Schüler, die in die Aufführung gehen, um das Buch selbst nicht lesen zu müssen, dieses Stück eher keine Hilfe ist.

Mal sehen, wie viele in den Aufsätzen schreiben werden, dass Goethes Werther mit Salat um sich wirft…

Kira Marie Niederberger (MSS 11)