Erinnern und Vergessen in der Gegenwartskunst

Einen kleinen Einblick, was hinter den Türen in den Kellerräumen der Kunst Tag ein Tag aus alles passiert, hat uns der Leistungskurs von Herrn Anschütz gewährt. Im Herbst stand das Thema „Erinnern und Vergessen“ im Mittelpunkt ihrer Überlegungen. Als einen der wichtigsten Künstler, die sich mit diesem Thema auseinander setzen, haben sie Christian Boltanski näher betrachtet. Seine Themen sind Tod, Erinnerung, Verschwinden, Vergänglichkeit und die Frage, wie viel Wahrheit in den Dingen steckt , oder inwiefern der Mensch dazu neigt, Wahrheit zu konstruieren, also zu erfinden. Die Frage ist: Wie lassen sich Erinnerungen speichern und archivieren? Kunst kann die Möglichkeit sein, gegen Tod und Vergessen zu kämpfen.

Hier einige ihrer Gedanken:

„Ohne Erinnern gibt es kein Vergessen, jedoch ist der Grund für Vergessen die Masse und der Inhalt der Erinnerungen. Erinnerungen bringen positive Dinge wie Freude, Glück und Wissen mit sich. Ebenso beinhaltet Erinnerung aber auch Schmerz und Angst. Erinnerungen formen unsere Persönlichkeit – ohne sie wären wir nicht die Menschen, die wir sind. Vergessen schützt uns vor unnötigen Erinnerungen, mit deren Masse wir nicht umgehen könnten, und vor solchen, die einen so negativen Einfluss auf unsere Psyche haben, dass sie uns schaden würden.“ (Saskia)

„Erinnern und Vergessen ist in meinen Augen tief miteinander verwurzelt. Sowie ich gern vieles vergessen würde, kann ich mich auch leider an vieles nicht mehr erinnern. Am Ende vom Tag ist es ein Kreis; wir wollen uns erinnern, weil wir vergessen, und wir vergessen, wenn wir nicht versuchen, uns zu erinnern.“ (Charly)

 

„Die Zeit lässt die Erinnerungen an Abwesende zwar verblassen, doch sie radiert sie nicht aus. Sie lässt sie immer blasser erscheinen, wie der Staub, der sich auf unbenutzte Gegenstände legt. Doch wie der Staub nicht immer bleibt, so kommen auch Erinnerungen wieder ans Licht, denn das Gedächtnis behält alles. Es stellt sich lediglich die Frage, ob der Mensch sich auch erinnert.“ (Leonie)

„Vergessen bedeutet für mich, Unwichtiges loszulassen, die Vergangenheit zu akzeptieren und Raum für Neues zu schaffen in meinen Gedanken, Raum für die Zukunft. Erinnern ist dagegen das Hochkommen alter Erlebnisse und Emotionen, manchmal schöne, aber auch negative. Doch trotzdem sind meine Erinnerungen Informationen, die unterbewusst für mich wichtig sind, da sie zeigen, wer ich bin und was mich zu diesem Menschen gemacht hat. Daher muss man sie schätzen, aus ihnen lernen und offen sein für mehr.“ (Katrin)

„Erinnern und Vergessen steht immer in Verbindung zu einander. Man kann sich nur an etwas erinnern, das man am Vergessen ist oder bereits vergessen hat. Kurz und knapp, es regt vielleicht zum Nachdenken an.“ (Pia)

„Vergessen ist für mich ein Instrument des Selbstschutzes, um unangenehme Erlebnisse zu verdrängen und mit ihnen abzuschließen. Bemerkt man jedoch den Akt des Vergessens, ist dies Erinnern. Erinnern führt uns dabei lediglich die Vergänglichkeit vor Augen, denn durch den Prozess des Erinnerns erkennen wir, was bereits alles in unseren Leben geschehen ist und unwiderruflich verloren ist.“ (Jonas)

Kunst-LK (MSS13)