Ein Weihnachtsfilmklassiker: „Der kleine Lord“

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Der 1980 in Großbritannien unter der Regie von Jack Goldproduzierte Spielfilm „Der kleine Lord“ erfreut sich auch heute noch als Weihnachtsklassiker großer Beliebtheit. Als Vorlage für den Film diente der gleichnamige Romanvon Frances Hodgson Burnettaus dem Jahr 1886. Obwohl die Originalsprache des Films Englisch ist, ist die deutschsprachige Version bei uns sehr verbreitet.

Der etwa hundertminütige Film, der im Jahre 1872 spielt, handelt von einem achtjährigen Jungen namens Cedric Errol, dessen verstorbener Vater Brite war und der mit seiner amerikanischen Mutter und einer Hebamme namens Mary in einem Stadtteil von New York City lebt. Der Junge hat zwei erwachsene Freunde: Mr. Hobbs, den Gemischtwarenhändler, der Cedric häufig seinen politischen Standpunkt, insbesondere seine tiefe Abneigung gegenüber den englischen Aristokraten, Earls und Lords, vermittelt und Dick den Schuhputzer. In seiner Freizeit spielt er mit gleichaltrigen Freunden Konservenkicken.

Der erste Wendepunkt des Films besteht darin, dass Mr. Havisham, ein Gesandter von Cedrics Großvater, welcher Earl von Dorincourt ist, im Haus von Familie Errol auftaucht. Er überbringt die Botschaft, dass die Familie zu Mrs. Errols Schwiegervater nach England reisen soll, da Cedric dessen Nachfolger sei. Die Entscheidung, ob sie die Reise antreten werden, fällt Cedrics Mutter jedoch nicht leicht, da ihr die Bedingungen des Earls verbieten, mit Cedric in einem Haus zu wohnen. Dies ist mit der Tatsache zu begründen, dass Cedrics Großvater eine große Abneigung gegenüber Mrs. Errol verspürt, da diese eine Amerikanerin ist. Schließlich akzeptiert sie mit dem Wunsch, dass ihr Sohn von dieser Tatsache nichts erfährt.

In England angekommen lebt Cedrics Mutter mit Mary in einem Haus in der Nähe des Schlosses, welches der Wohnsitz des verwandten Earls ist und das dieser ihnen zur Verfügung stellt. Weitere finanzielle Unterstützung von ihrem Schwiegervater lehnt Mrs. Errol jedoch ab.

Nach seiner Ankunft ist Cedric, der bisher in eher ärmlicheren Verhältnissen gelebt hat, von den Ausmaßen des prunkvollen Schlosses, das er von nun an als seinen Wohnort betiteln kann, überwältigt. Sein Großvater, der unter Gicht leidet, ist mürrisch und streng gegenüber Untergebenen. Doch sein Enkelsohn, der von dessen Gutmütigkeit und Großzügigkeit überzeugt ist, merkt dies in deutlich geringerem Maße als der Zuschauer. Durch seine kindliche Art ist Cedric, der nun Lord Fauntleroy genannt wird, bei dieser im Gegensatz zu seinem Großvater sehr beliebt.

Cedrics Mutter, deren Sohn sie täglich besucht, arbeitet inzwischen in einer Schneiderei und hilft den verarmten Pächtern in „Earl‘s Lane“.

Im Verlauf der Handlung wird Cedrics Großvater auch einsichtiger gegenüber seinen Pächtern. Dies drückt sich zum Beispiel dadurch aus, dass er sich um die Verbesserung der Lebenssituation in Earl‘s Lane kümmert.

Gerade als der Earl seinen Enkelsohn lieb gewonnen hat, macht eine Schauspielerin namens Minna den Titel des kleinen Lords Fauntleroy streitig, indem sie behauptet, die Witwe des zweitältesten Sohnes des Earls zu sein. Es steht also nicht nur ein riesiges Gebiet inklusive Schloss, sondern auch ein Platz im Oberhaus des britischen Parlamentes auf dem Spiel. Die Überführung der Betrügerin gelingt dadurch, dass Cedrics Freund Dick die Begebenheiten in der Zeitung liest und Minna als ehemalige Frau seines Bruders Ben wiedererkennt. Der Film endet mit einem großen Weihnachtsfest im Schloss des Earls, auch Dick, Mr. Hobbs und Ben sind aus New York City angereist und als große Überraschung ist Cedrics Mutter anwesend.

Auffallend ist, dass Cedric Errol, der von den meisten Menschen Ceddy genannt wird, zuerst die Tatsache, dass er von nun an Lord Fauntleroy ist, nicht sonderlich erfreut. Dies ist mit der klaren politischen Meinung von Mr. Hobbs zu begründen, die Cedric aufgrund fehlender Anhaltspunkte übernimmt. Man sieht zu Beginn des Films wie der Gemischtwarenhändler über die Arroganz der Aristokraten schimpft und klarstellt, dass Cedric einmal Demokrat werden soll.

Dass Cedric seinen Großvater von vornherein für eine großzügige und gutmütige Person hält, liegt daran, dass er der Meinung ist, alle Großväter seien nett und an der Tatsache, dass ihm im Schloss viel geboten wird. Diese Meinung ist darauf zurückzuführen, dass Cedric von seiner Mutter viel Zuneigung erfährt. Eine Szene belegt auch den Grund, wieso ihm der strenge Umgang seines Großvaters gegenüber den Pächtern nicht auffällt. In der Szene verlangt der Pfarrer des Dorfes für einen Farmer, dessen Kinder an Keuchhusten erkrankt sind, eine Verlängerung der Zahlungsfrist für die Miete der Farm. Doch der Earl kommt dieser Forderung nicht nach. Cedric sagt daraufhin, sein Großvater müsse ihm nicht auf diese Art und Weise beibringen, Verantwortung zu übernehmen, da er wisse, dass sein Großvater dem Farmer ohnehin später helfen wird, womit er jedoch falsch liegt.

Mrs. Errol begründet im Film die Ablehnung der finanziellen Unterstützung des Earls damit, dass sie kein Geld von Menschen annehme, die sie hassen, da es ihr vorkomme als würde sie bezahlt werden.

Der Earl ändert seine Sichtweise auf die Pächter vermutlich nicht nur, da er von seiner Krankheit geheilt ist, sondern der Wendepunkt, der einen Perspektivenwechsel bestimmt, ist der Zeitpunkt der Handlung, zu dem er auf einem Ausritt gemeinsam mit seinem Enkelsohn Earl’s Lane durchquert, ein Gebiet, das er schon seit mindestens 20 Jahren nicht mehr besucht hat, dabei sieht er die katastrophalen Lebensbedingungen der Menschen.

Die Antwort auf die Frage, wieso die Produktion gerne als Weihnachtsfilm angesehen wird, könnte leicht damit begründet werden, dass das Ende des Filmes um diese Zeit spielt. Doch bei genauerem Hinsehen ist es vor allem ein erfolgreicher Weihnachtsfilm, da aus einer für die Figuren verbesserungsfähigen Ausgangssituation im Einflussbereich des Earls ein glückliches und harmonisches Ende entsteht. Des Weiteren ist die gesamte Atmosphäre stark auf den Charakter der Figuren, insbesondere die ausschließlich positive Figurenentwicklung des Großvaters zentriert. Was an dem Film oft nur unterbewusst mit der Weihnachtszeit verbunden wird, ist, dass die Großzügigkeit einen Hauptteil des Werkes darstellt. So wird von einem hartherzigen Earl erzählt, der sich durch die Gutmütigkeit seines Enkelsohnes zu einem mitfühlenden Menschen „entwickelt“.

Dominik Neu (9D)

 

Eine  Wiederholung von „Der kleine Lord“ läuft am Mittwoch, 26. Dezember 2018, um 09.30 Uhr auf ARD.

 

Daten wie das Entstehungsjahr des Films oder die Schreibweise der Namen stammen aus folgender Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_kleine_Lord_(1980)

Die restlichen Informationen wurden aus der deutschsprachigen Version des behandelten Filmes entnommen.

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