„Die Menschen merken, dass sie selbst etwas verändern können“- Helena Mohr und Florian Streier im Interview

Quelle: Medienmalocher

Nachhaltiger leben – ein Thema, dass momentan viele Menschen beschäftigt. Helena Mohr hat in Essen ein eigenes Geschäft namens „von Grünstadt“ eröffnet. Plastikfreie Haushaltswaren, Naturkosmetik, Drogerieartikel und auch Musikveranstaltungen, organisiert von Florian Streier, werden dort angeboten. Wie ein nachhaltigeres Leben funktioniert, erzählen mir Helena und Florian in einem Interview.

Quelle: Mohr

Gesunde Ernährung, Nachhaltigkeit und Minimalismus sind im Trend. Auch Jugendliche gehen für eine nachhaltigere Klimapolitik auf die Straße. Bedeutet das, dass es auch nur ein Trend bleiben wird?

Helena: Ich finde es gut, dass diese Themen gerade im Trend sind – so werden immer mehr Menschen darauf aufmerksam. Die Jugendlichen, die zum Beispiel für Fridays for Future auf die Straße gehen, werden zwar jetzt noch von manchen Politikern belächelt, aber in ein paar Jahren werden sie wählen können und dadurch viel verändern. Es dauert zwar, bis sich etwas ändert, aber ich glaube nicht, dass diese Themen einfach wieder vergessen werden.

Florian: Natürlich ist Nachhaltigkeit nicht Neues. Auch in den 80ern gab es Bewegungen, die gegen Plastik waren. „Öko sein“ war aber lange nichts Positives. Jetzt wird es wieder interessant und die Menschen merken, dass sie selbst etwas verändern können. Viele sehnen sich auch nach mehr Echtheit und wollen weg vom ständigen Konsum. Ich organisiere in „von Grünstadt“ die Musikveranstaltungen namens „grüne Bühne“. Ohne Verstärker wird live Musik gespielt – die Zuhörer spüren, dass das viel natürlicher und echter ist.

Immer mehr Supermärkte und Firmen bieten Bio-Lebensmittel und nachhaltige Produkte an. Hat das Zukunft?

Florian: Viele Bio-Siegel haben nur minimale Kriterien, die ein Produkt erfüllen muss, um es zu erhalten. Das ist eine Verkaufsmasche, die dem Käufer ein gutes Gewissen machen soll. Wer wirklich nachhaltige Produkte kaufen möchte, muss sich aber mehr damit beschäftigen und auch mal in anderen Läden einkaufen.

Helena, gibt es immer noch Vorurteile gegenüber „Bio“ und „Öko“?

Helena: Es gibt Leute, die mir sagen, dass nachhaltige Produkte zu teuer sind, um nur von ihnen zu leben. Dabei ist es wichtig, nur das zu kaufen, was man wirklich braucht. Es geht darum, weniger Produkte länger zu nutzten, statt viel zu konsumieren und wegzuwerfen. Und dadurch ist es letztendlich auch nicht teurer.

Manche denken auch, dass Menschen, die nachhaltig leben, klischeehaft wie „Ökos“ aussehen. Aber das stimmt natürlich auch nicht.

Welche Menschen kaufen denn bei dir im Laden ein?

Helena: Die Kunden sind bunt gemischt und kommen aus allen verschiedenen Berufen und Gesellschaftsschichten. Es gibt Menschen, die das Thema Nachhaltigkeit sehr ernsthaft angehen und andere, die in meinem Laden nur manchmal einkaufen oder sich Inspirationen suchen. Jeder muss seinen eigenen Weg finden und schauen, was gerade passt. Es ist wichtig, den Spaß daran zu behalten, um dauerhaft nachhaltig zu leben. Auffällig ist aber, das über 80% der Kunden Frauen sind.

Und nun ganz konkret – wie funktioniert der Einkauf in „von Grünstadt“?

Helena: Manche Produkte sind unverpackt – zum Beispiel Reinigungsmittel, die man sich in eigene Flaschen abfüllen muss. Dadurch spare ich die Plastikverpackung ein. Ich achte darauf, dass die Hersteller nachhaltig anbauen, gute Arbeitsbedingungen haben und möglichst regional sind. Die Keramikseifenschalen, die ich verkaufe, werden zum Beispiel von einer Künstlerin hergestellt, die in der gleichen Straße bei uns im Künstlerviertel wohnt.

Florian: Nachhaltig bedeutet nämlich auch, nicht nur auf das Bio-Siegel zu achten, sondern auch auf den Produktionsort. Bio-Bananen sind nicht nachhaltig, wenn sie erst aus Costa Rica nach Deutschland verschifft werden müssen.

Werden denn auch Lebensmittel in „von Grünstadt“ verkauft?

Florian: „Von Grünstadt“ ist Teil der Foodsharing-Organisation von Essen. Im Laden werden Unmengen an Lebensmitteln abgeben, die zum Beispiel von Supermärkten kommen und nicht mehr verkauft werden können. Jeder der möchte, kann sich davon etwas mitnehmen. Dabei ist es egal, wie viel Geld man verdient.

Wie geht es weiter mit „von Grünstadt“?

Helena: Ich bin im Moment damit zufrieden, wie es gerade ist. Ein Projekt steht aber noch aus – zum Laden gehört ein Innenhof, indem ich auch selbst etwas anbauen könnte.

Was würdest du Menschen raten, die gerade erst anfangen, sich mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen?

Helena: Als erstes kann jeder schauen, was zu Hause an Plastikmüll im gelben Sack landet. Dann kann man sich fragen, was davon ohne Plastik ersetzt werden kann. Es ist auch gut, einfach mal in einen Laden mit nachhaltigen Produkten wie „von Grünstadt“ zu gehen, um zu schauen, was es alles für Alternativen gibt. Wichtig ist, sich keinen Druck zu machen und Stück für Stück Veränderungen vorzunehmen.

Vielen Dank für das Interview!

Dieses Interview führte Sarah E. Kühn (MSS 13).

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