„Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ – eine Filmkritik

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Am 7. Februar kam eine neue Superheldenverfilmung der DC Comics in die deutschen Kinos rund um die durchgeknallte Ex-Psychiaterin Harley Quinn. Das Besondere an dem 8. Film des DC Extended Universe: Alle Heldinnen des Films sind Frauen, auch die Bereiche Drehbuch, Regie und Produktion liegen überwiegend in Frauenhänden. 

Dabei beginnt der Film mit einem Rückschlag für Harley Quinn (gespielt von Margot Robbie): Nicht nur landet ihr geliebtes und mit letztem Geld gekauftes Käsesandwich statt in ihrem Mund auf der Straße, vielmehr trennt sich auch der Joker von ihr. Nun auf sich alleine gestellt und sozusagen vogelfrei, sieht sich Harley mit einer ganzen Reihe von ehemaligen „Freunden“ konfrontiert, die alle noch mit ihr ein Hühnchen zu rupfen haben. Darunter auch der snobistische und cholerische Gangster Roman Sionis (Ewan McGregor), der sich in der Öffentlichkeit als überzogener Dandy und Nachtclubbesitzer präsentiert, während er insgeheim seiner Leidenschaft fürs Foltern nachgeht. Um ihre eigene Haut zu retten, verspricht Harley dem Sadisten, ihm einen Edelstein zurückzubringen, der von einer jungen Taschendiebin namens Cassandra (Ella Jay Basco) gestohlen wurde. Bei der Suche nach dem Teenager ist Harley jedoch nicht alleine: Neben der Polizisten Renee Montoya (Rosie Perez) sucht auch Sionis neue Fahrerin und ehemalige Nachtclubsängerin Dinah Lance (Jurnee Smollet-Bell) nach ihr, sowie einige Söldner, die es auf die 500.000 Dollar-Belohnung abgesehen haben, die auf Cassandras Kopf ausgesetzt sind. Außerdem gibt es da auch noch den „Armbrustkiller“ (Mary Elizabeth Winstead), der in Gotham City sein Unwesen treibt. 

Kurz gesagt ist „Birds of Prey: The Emanzipation of Harley Quinn“ genauso verrückt und quirlig wie die Titelfigur, die sich nach der Trennung erst einmal eine Hyäne namens Bruce (Wayne) kauft und sich mit Zerealien bewaffnet auf ihrem Sofa Tom-und-Jerry-Filme ansieht. Margot Robbie verkörpert das schrille White-Trash-Punk-Girl total abgedreht, aber auch absolut überzeugend. Ähnliches gilt für Ewan McGregor, der den genauso skurrilen und extravaganten Schurken des Films Roman Sionis alias Black Mask spielt, die von Rosie Perez dargestellte und nach Gerechtigkeit strebende Renee Montoya, die die Einzelgänger-Cop-Klischees ebenso verkörpert wie verspottet (was gerne von der Synchronstimme von Margot Robbie aus dem Off kommentiert wird), die junge Ella Jay Basco, der man sowohl ihren Teenager-Trotz als auch ihre echte Lebensangst absolut abnimmt, sowie für Jurnee Smollet-Bells Nachtclubsängerin Dinah Lance, die auf einem dünnen Pfad zwischen Verrat gegenüber ihrem Boss Sionis und Gerechtigkeit wandeln muss. Auch die schweigsame Armbrustkillerin Helena Bertinelli, gespielt von Mary Elizabeth Winstead, harmoniert gut mit den übrigen Charakteren, auch wenn man ihrer Rolle vielleicht etwas mehr Raum hätte geben können.

Zu den größten Pluspunkten des Superheldenfilms gehören meiner Meinung nach die Grafik des Films, sowie die Actionsequenzen. Bereits der animierte Prolog passt wunderbar zur verqueren Harley Quinn, ebenso sind die Farbfeuerwerke, die die Protagonistin mehrmals innerhalb des Films veranstaltet, atemberaubend und fügen sich sehr gut in das Gesamtwerk. Gleiches gilt für die fesselnden Actionsequenzen – die Choreographie mit Salto, Rad und Spagat ist besonders am Ende, als die Frauenclique mit vereinten Kräften kämpft, schon einen Kinobesuch wert. Ähnliches gilt für die Musik und die Kulissen: Sei es nun ein quietschbunter Basar, ein leerer Vergnügungspark oder ein nebliger Steg – alle Orte harmonieren wunderbar mit Harleys durchgeknalltem Charakter. 

Und hier liegen auch die Schwachpunkte des Films: Er ist im Grunde komplett auf sie als Figur maßgeschneidert. Daneben verblassen die anderen Figuren bis auf Harleys Gegenspieler. Dieser verwirrt jedoch mit seiner merkwürdigen Maske, die eigentlich keinen tieferen Sinn hat und ihn aussehen lässt wie den Bösewicht in der Parodie von Edgar Wallace‘ Hexer („Der Wixxer“). Für mich selbst war auch die deutsche Synchronstimme von Harley Quinn gewöhnungsbedürftig und etwas zu normal für die Rolle.

Hinzu kommt die Tatsache, dass versucht wurde, den Film und seine Erzählweise selbst auf Harleys chaotische Lebensweise anzupassen. Dies führt dazu, dass Zeitsprünge – teilweise mitten in einer Actionszene – den Zuschauer komplett aus der Handlung reißen und für Verwirrung sorgen. Manche Szenen, so z.B. Harleys Version von Marilyn Monroes „Diamonds are a girl‘s best friends“ wirken dadurch einfach nur aus dem Kontext gerissen und etwas unnötig. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Humor des Filmes, der stellenweise zu krampfhaft versucht, an den DC-Konkurrenten Marvel und dessen Deadpool-Filme anzuknüpfen. 

Wenn man sich jedoch einfach auf den Film einlässt und ihn genauso wenig ernst nimmt wie sich Harley selbst ernst nimmt, kann daraus ein wunderbarer und unterhaltsamer Abend werden. Ich würde trotz der Kritikpunkte noch einmal für den Film ins Kino gehen!

Kira Marie Niederberger (MSS 13)

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