Artikel 27: Freiheit des Kulturlebens

  • Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an den Künsten zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben.
  • Jeder hat das Recht auf Schutz der geistigen und materiellen Interessen, die ihm als Urheber von Werken der Wissenschaft, Literatur oder Kunst erwachsen.

Nationaltheater, Staatstheater, Stadttheater – wie ihr vermutlich schon am Namen ablesen könnt, haben diese Spielstätten mehr Gemeinsamkeiten, als eine scheinwerferbestrahlte Bühne und dazugehörige Sitzreihen. Diese Theater werden, zumindest zum größten Teil, von der entsprechenden Gemeinde, Bundesland oder eben dem Bund als solchen, finanziert. Im aktuellen Haushalt waren insgesamt 3,5 Milliarden Euro (stat. Bundesamt, 2013) für Theater und Musik vorgesehen. Das klingt nach viel, macht jedoch nur 0,14% des BIP aus. Die subventionierte Theaterlandschaft in Deutschland ist dennoch weltweit ein Unikum. Auf 1.500 kommen 140 öffentliche Theater (Stand 2013, FAZ). Letztere erhalten 90% der staatlichen Fördermittel.

Dabei geht es keines Wegs darum, dass unser Staat die Kultur als „Indoktrinierungsinstrument“ nutzen möchte. Genau das Gegenteil ist der Fall: der Fortbestand und die Freiheit der Spielstätten soll durch ihre finanzielle (beinahe-) Unabhängigkeit – es gibt natürlich auch private Spender- erhalten werden. Raum für die Kunst, anstatt purer Massenwirksamkeit – ein Interessenkonflikt, der Kunstschaffende schon beschäftigte, als sie ihre Produktionen noch auf Wanderbühnen oder mithilfe einer Leier zum Besten gaben, soll dadurch entlastet werden. Die Gemeinschaft will durch ihre finanzielle Unterstützung die Bühne für mutige Inszenierungen und neue Ideen geben, anstatt die ewig gleiche „Faust“ – Version in jeder Spielzeit hoch- und runterzuspielen.

Damit verbunden verbirgt sich hinter den beachtlichen Subventionen noch ein weiterer Absatz dieses 27. Artikels: Jeder soll teilhaben können. Wollte man mit den Einnahmen der verkauften Theater- oder Opernkarte alle Kosten abdecken, würden die sich Preise oftmals im dreistelligen Bereich einpendeln, da die sichtbaren Darsteller nur einen Teil eines vielschichtigen Betriebes sind. Die wenigstens von uns könnten sich dann noch, ob freiwillig oder unfreiwillig, in den Zuschauerräumen zurücklehnen und Emotionen, Geschichten und unmittelbare Illusionen auf sich rieseln lassen. Diese Offenheit für alle, die bereits im antiken Theater ihren Ursprung hat, kann man auch an weiteren Projekten des Theaters ausmachen. Durch kleine Statistenjobs in der Oper oder im Zuge von Bürgerprojekte öffnen viele Theater bewusst ihre Türen bzw. den Vorhang zu ihren Bühnen. Die Idee ist, dass jeder Mensch etwas zu sagen hat, dass er spielerisch umsetzten kann. Wer einmal selbst auf einer Bühne gestanden hat, weiß zudem vielleicht anders zu schätzen, dass Theater eine Kunst für sich ist.

Lilli Wallot (MSS12)

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