Among Us – eine Erfolgsgeschichte

Quelle: https://innersloth.com/gameAmongUs.php

Blau: „Wo lag die Leiche?“

Rot: „Die lag im Labor direkt vor dem Teleskop. Ich bin mit Gelb zusammen von Vitals aus dorthin gelaufen.“

Gelb: „Genau, und bei Vitals haben wir gesehen, dass alle noch leben. Der Mord muss also in den letzten 15 Sekunden passiert sein.“

Was sich nach einer Unterhaltung zwischen Kriminellen unter Verwendung ihrer Decknamen anhört, entpuppt sich oft als eine Konversation aus der Runde eines Gesellschaftsspiels, das in den vergangenen Monaten deutlich an Beliebtheit zunahm. Among Us (englisch für „Unter uns“) ist ein sogenanntes Deduktionsspiel des amerikanischen Studios „InnerSloth“, das sowohl auf Geräten mit iOS oder Android als auch auf PCs mit Microsoft Windows spielbar ist. Bei dieser Art von Gesellschaftsspiel müssen die Spieler durch logische Schlussfolgerungen einen zu Beginn unbekannten Sachverhalt aufdecken. Among Us handelt davon, dass es unter den bis zu zehn Mitspielern ein bis drei Personen gibt, deren Ziel es ist, die anderen zu töten. Diese Impostor (englisch für Hochstapler) haben dann gewonnen, wenn alle anderen Spieler umgebracht wurden. Die übrigen Personen sind Crewmates (englisch für Besatzungsmitglieder). Sie versuchen, die Täter zu überführen.

Es gibt bislang drei verschiedene Karten, auf denen Among Us gespielt werden kann. Jeder kann sich auf der Karte, auf der sich verschiedene Räume befinden, frei bewegen. Das Spielgeschehen sieht man aus der Vogelperspektive. Für die Crewmates gibt es in den meisten der Räume Aufgaben, die sie erledigen können. Diese sind verschiedene, simple Minispiele, zum Beispiel das Verbinden von Kabeln, das Auffüllen von Treibstoffkanistern oder auch nur das Umlegen eines Schalters. Wenn jeder Crewmate alle Aufgaben, die auf seiner Liste stehen, erledigt hat, dann hat sein Team ebenfalls gewonnen.

Das Spiel lässt sich in zwei, sich abwechselnde Phasen unterteilen: die Phase, in der sich jeder frei auf der Karte bewegen kann und seine Aufgaben löst beziehungsweise als Impostor versucht, die anderen Spieler unentdeckt zu töten, und das sogenannte Meeting (englisch für Sitzung). In der erstgenannten Phase ist es strengstens verboten, untereinander zu kommunizieren. Im Gegensatz dazu ist die Kommunikation einer der beiden wesentlichen Aspekte des Meetings. Dieses kann durch das Auffinden und Melden eines toten Körpers oder durch das Drücken des „Emergency Button“ (englisch für Alarmknopf) erfolgen. Hierbei stellen alle Spieler ihre aktuelle Tätigkeit automatisch ein und tragen ihre Beobachtungen in Form von Wort- oder Textbeiträgen zusammen, um zu einem Ergebnis zu kommen, wer einer der Impostor sein könnte. Hierbei ist es eine gängige Taktik, als Impostor den Verdacht auf einen Unschuldigen zu lenken, um es im weiteren Spielverlauf leichter zu haben. „Ich mag es, Logik anzuwenden, um den Impostor zu finden“, sagt Amelie Müller, eine Schülerin des Leininger-Gymnasiums, die in ihrer Freizeit gerne Among Us spielt. In jedem Meeting hat jeder Spieler eine Stimme, die er für die Person abgibt, von der er glaubt, sie sei der Impostor. Keine Stimme abzugeben oder für sich selbst zu stimmen ist ebenfalls möglich. Am Ende jedes Meetings wird die Person, für die mehrheitlich abgestimmt wurde, aus dem Raumschiff, auf dem das Spiel abläuft, geworfen und kann, ebenso wie getötete Spieler, als für noch Lebende unsichtbarer Geist weiter an seinen Aufgaben arbeiten und sich durch Wände hindurchbewegen. Impostor, die „rausgeworfen“ wurden, können, ebenfalls als Geist, noch sabotieren, jedoch nicht mehr andere Spieler töten. Wer getötet wurde, darf im Meeting selbstverständlich auch keine Beiträge mehr liefern.

Blau: „Was ist eigentlich mit Grün, wo warst du denn?“

Grün: „Ich war am Anfang der Runde im Labor, bin dann runter zu Vitals gelaufen, wo ich Rot und Gelb gesehen habe und bin dann weiter in Richtung Admin. Dort ist mir dann Lila von Decontamination entgegengekommen.

Blau: „Soso, du warst also im Labor und dort liegt zufällig auch die Leiche. Meinst du nicht, das ist etwas verdächtig?“

Lila: „Er kann es nicht gewesen sein, weil gelb gerade eben gesagt hat, dass noch alle am Leben waren, als die beiden bei Vitals waren und Grün getroffen haben.“

Angesichts dieser Grundidee ist es leicht zu vermuten, dass das Spiel für jüngere Personen nicht geeignet ist. Durch die einfach gestaltete, comicartige Grafik wirken die Spielfiguren in den verschiedenfarbigen Raumanzügen jedoch eher niedlich und das Töten selbst wird durch eine einfache Animation kindgerecht dargestellt. Auch die offizielle Altersbeschränkung der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), der in Deutschland verantwortlichen Stelle für die Altersfreigabe von Videospielen, sieht in dem Spiel keine Probleme für Kinder in einem Alter von sechs Jahren oder darüber.

Der Impostor ist in seiner Bewegung etwas freier als die Crewmates. Er kann sich durch Lüftungsschächte, die sogenannten „Vents“ (englisch für Entlüftung) schnell von einem Raum zu einem anderen bewegen und damit auch lange Strecken in kürzester Zeit zurücklegen. Das macht es für die Crewmitglieder schwieriger, den Mörder zu überführen. Für die Impostor besteht ebenfalls die Möglichkeit zu sabotieren. Die Sabotagen dienen dazu, die Crewmates aufzuhalten oder unentdeckt töten zu können. Selbstverständlich ist die Anzahl der Sabotagen begrenzt. Wenn zum Beispiel gerade erst die Energiezufuhr sabotiert wurde, kann dies nicht direkt im Anschluss ein weiteres Mal passieren, sondern erst nach einiger Zeit. „Mir gefällt das Spiel sehr gut, da es viele verschiedene Taktiken gibt“, sagt ein Schüler, der das Leininger Gymnasium besucht. Zudem besteht die Möglichkeit, genauere Spieleinstellungen manuell zu tätigen und so das Spiel für eine Seite einfacher zu gestalten. Beispiele sind die Größe des Sichtfeldes des Impostors oder die Länge des sogenannten Kill-Cooldowns (von englisch (to) kill=töten; (to) cool down=abkühlen), der angibt, wie lange es dauert, bis ein Impostor nach einer Tötung wieder einen Spieler umbringen kann.

Den Crewmates stehen im Gegenzug auch Möglichkeiten zur Verfügung, die es erleichtern, den oder die Impostor zu überführen. In bestimmten Räumen befinden sich unterschiedliche Überwachungs- und Kontrollsysteme, wie zum Beispiel ein Monitor, an dem man mithilfe von Kameras das Geschehen an verschiedenen Orten auf der Karte verfolgen kann. Weitere Kontrollsysteme sind eine Anzeige, die Auskunft darüber gibt, welche Personen noch leben, und welche schon gestorben sind sowie einen Raum, in dem es möglich ist zu sehen, wie viele Personen sich momentan in welchem Raum befinden. „Es ist interessant zu sehen, dass jeder mit der Zeit seine eigene Spielweise entwickelt“, meint Amelie Müller.

Obwohl das Spiel bereits Mitte 2018 veröffentlicht wurde, verzeichnet es erst seit Anfang Juli 2020 einen großen Spielerzuwachs. Für diese Entwicklung macht der Programmierer Forest Willard einen bekannten Twitch-Streamer verantwortlich, der das Spiel im Juli des vergangenen Jahres populär gemacht haben soll. Im Anschluss daran spielten viele weitere Streamer das Spiel auf Twitch und YouTube. Es ist wahrscheinlich, dass darüber hinaus die Coronapandemie ein zusätzlicher Faktor für die plötzliche Beliebtheit des Spiels ist, da sich Freunde aufgrund dieser nicht mehr in größeren Gruppen treffen können und stattdessen online miteinander in Kontakt treten. „Durch Among Us kann man viele neue Leute kennenlernen und mit seinen Freunden Spaß haben“, berichtet Amelie Müller. Auch die niedrigen Systemanforderungen und die große Zielgruppe, die sich von Grundschülern bis hin zu Erwachsenen erstreckt, machen Among Us zu einem beliebten Spiel.

Abschließend ist festzuhalten, dass das Spiel trotz des einfachen Spielprinzips einen großen Spaßfaktor bietet, insbesondere wenn man das Spiel in einer Gruppe gemeinsam mit seinen Freunden spielt. Among Us ist für Smartphonenutzer, sowohl unter Android als auch iOS, kostenlos. Leider läuft das Spiel aus eigener Erfahrung, zumindest auf Android-Geräten, nicht einwandfrei und es kommt häufiger zu Spielabstürzen. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Problem in nächster Zeit behoben wird.

Blau: „Könnt ihr auch bestätigen, dass ihr Grün gesehen habt?“

Rot: „Ja, der ist an uns vorbeigelaufen, in Richtung Admin.“

Blau: „Und was ist mit Lila? Der kam doch von Specimen aus und der andere Eingang von Specimen ist im Labor, wo auch die Leiche liegt“

Grün: „Den habe ich doch gesehen, kurz nachdem ich bei Vitals war. Ich bin ja von dort aus direkt in Admin gelaufen, wo ich ihn getroffen habe. Das heißt, er hätte vielleicht fünf bis sechs Sekunden Zeit gehabt, um von dem Teleskop im Labor bis dorthin zu kommen. Das kann man nicht schaffen.“

Gelb: „Na dann bleibt ja nur noch Blau übrig.“

Blau: „Da habt ihr mich wieder mal erwischt. Der Plan war so gut durchdacht und dann trefft ihr euch alle zufällig.“

Dominik Neu (MSS 11)

Quellen: 

https://de.wikipedia.org/wiki/Among_Us (zuletzt aufgerufen am 10.01.2021)

https://dict.leo.org/englisch-deutsch/

1 Kommentar zu "Among Us – eine Erfolgsgeschichte"

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