3. Türchen: Weihnachten mal anders – Teil I

„Heute ist die Kirche schon um Viertel vor fünf“, rief der zwölfjährige Jan, während er das Amtsblatt studierte. Die Antwort kam von seiner Mutter aus der Küche, die gerade schon die ersten Vorbereitungen für das Weihnachtsessen tätigte: „Das ist gut, dann habe ich anschließend mehr Zeit, das Essen zu kochen. Sonst ist es immer so hektisch. Aber sag bitte noch deinem Bruder Bescheid, dass er auch spätestens um halb fünf fertig ist. Eher sogar schon um zwanzig nach vier, dann bekommen wir in der kleinen Kirche auch noch einen gescheiten Sitzplatz.“ „Ja Mama, mache ich“, antwortete Jan. Er legte das Amtsblatt beiseite und ging die Treppe hoch. Als er an die Zimmertür klopfte, hörte er seinen Bruder reden: „Warum lagt das so? Man kann kaum noch gescheit spielen bei diesem schlechten Empfang!“ Jan stöhnte. Warum konnte Sven das noch nicht mal an Heiligabend sein lassen. Jeden Tag spielte er Stunden lange Computer mit seinen Freunden und redete über irgendein Programm mit seinen Freunden während des Spiels. „Komm bitte um zwanzig nach vier runter, Kirche ist heute früher“, sagte Jan ziemlich laut, sodass sein Bruder es durch die Kopfhörer auch hörte.

„Peter, der Tannenbaum hängt irgendwie schief und die Lichterkette geht nicht mehr“, brüllte Anja ins Büro ihres Mannes, welches ein Stockwerk höher lag.

„Ja ja, ich muss auch noch Holz für den Ofen holen.“

„Gute Idee, das letzte Mal, als wir ihn anhatten, war an Silvester im letzten Jahr. Oh die letzte Ladung Plätzchen ist fertig, du wolltest ja unbedingt noch welche.“

„Wie bitte? Warte ich komme mal runter.“ Anja holte das heiße Blech aus dem Ofen, während Sie ihren Mann schon die Treppe hinuntergehen hörte.

„So, was ist jetzt?“, fragte Peter.

„Die Plätzchen sind fertig. Ah und du könntest für zum Abendessen eine schöne Weihnachts-CD aussuchen. Dann können wir mein 51. Weihnachten zu zweit feiern.“

„Was soll ich denn noch alles machen? Was machst du denn eigentlich?“

„Ich koche und habe gerade Plätzchen gebacken, wie du ja siehst.“

„An der Lichterkette war nur ein Wackelkontakt, aber beim Tannenbaum musst du mir helfen.

„Mal gucken, was heute Abend im Fernsehen kommt. Was soll man denn auch anderes alleine machen? Naja, ich könnte in die Kirche gehen und mir danach schöne Musik anmachen und im Kühlschrank müsste ich auch noch etwas Leckeres haben. Vielleicht kann ich wenigstens Silvester mit ein paar Freunden feiern.“ Stefans Blick fiel auf ein spannendes Weihnachtsbuch „… oder ich könnte lesen. Aber den Weihnachtsfilm ohne Werbung gucke ich auf jeden Fall. Ich müsste auch noch diese DVD mit der Schlittenfahrt haben…“

„Ich würde nicht in die Kirche gehen, das wäre doch für die Kleine viel zu langweilig. Wir könnten es uns doch auf der Couch gemütlich machen und uns einen Weihnachtsfilm anschauen“, riet Klaus. Seine Frau Charlotte fragte nachdenklich: „Aber welchen, den Film mit der Schokoladenfabrik versteht Lilli wahrscheinlich immer noch nicht.“ „Das kann man ja auch von einer dreijährigen nicht verlangen“, stimmte Klaus seiner Frau zu. Frau Schmidt war gerade damit beschäftigt Zimtwaffeln zu backen und Herr Schmidt verstaute die Geschenke unter dem Tannenbaum, während die kleine Lilli noch schlief. „Klaus, hast du dir denn auch schon ausgedacht, was Lilli machen könnte, wenn wir noch in Ruhe essen?“, fragte Frau Schmidt. Ihr Mann antwortete: „Ja, auf der Rückseite ihres Schokoladenadventskalenders ist ein Bild zum Ausmalen. Das habe ich schon bereitgelegt.

Familie Kaiser war gerade auf dem Nachhauseweg von der Kirche. Plötzlich wurde alles finster. Kein gelbliches Licht schien mehr aus den Fenstern der Häuser, keine Weihnachtsbeleuchtung gab einem das weihnachtliche Gefühl und keine einzige Straßenlaterne erhellte den Weg. „Warum ist es denn auf einmal so dunkel? Normal sind in der Goethe-Straße doch immer sehr viele Menschen, die ihre Dekorationen auch für draußen benutzen“, fragte Jan seine Eltern und seinen Bruder. Diese wunderten sich auch sehr über den plötzlichen Ausfall von sämtlichen Lichtern. Nur der Mond gab noch etwas Helligkeit ab, nachdem die Sonne schon seit einer Stunde am Horizont verschwunden war. „Wie sollen wir uns denn jetzt orientieren und wie sollen wir ohne Licht über die Hauptstraße kommen?“, fragte Jans Mutter genervt. Sven holte aus seiner rechten Hosentasche ein Smartphone: „Mein Handy hat eine Taschenlampe, warte mal.“ Sven tippte auf dem in der Dunkelheit aufleuchtenden Bildschirm herum, bis schließlich aus einer Stelle der Rückseite ein helles Licht kam.

Ein paar Minuten später kamen alle zu Hause an. „Ich heb doch das Licht im Flur angelassen, warum ist es denn jetzt aus?“, fragte Svens Mutter verwundert. „Na ist doch klar, die Straßenlaternen waren auch aus und in allen Häusern war es finster. Es ist Stromausfall“, beantwortete Jan die Frage. Jetzt mischte sich der Vater ein: „Ich hatte noch nie an Heiligabend Stromausfall, naja, wir machen uns es dann eben bei Kerzenlicht gemütlich.“ Doch die Mutter fand das alles andere als gemütlich: „Und was essen wir dann? Der Backofen und der Herd gehen doch auch nicht bei einem Stromausfall. Oder hast du auch dafür eine App, Sven?“ „Reg‘ dich doch mal nicht so auf, vielleicht haben wir in zehn Minuten ja wieder Strom“, erklärte der Vater.

„So, diese CD müsste dir gefallen“, sprach Peter zu seiner Frau. Diese hatte sich gespannt auf den Sessel gesetzt und die Augen geschlossen um sich vollkommen auf die von Peter ausgewählte Musik konzentrieren zu können. Aber anstatt Musik hörte sie nur das Fluchen ihres Mannes: „Warum geht das nicht? Und jetzt geht auch noch einfach so das Licht aus. Stromausfall!“

Dominik Neu (7D)

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